Da gehen Jugendliche auf die Straße und demonstrieren gegen die beschämende Klimapolitik und schon kommen aus allen Ecken Bedenkenträger. Manche regen sich allen Ernstes über den Stau auf, den der Marsch in der Frauenstraße verursacht hat. Die meisten aber monieren, dass die Schüler den Unterricht schwänzen. Geht’s eigentlich noch? Indem sie sich für das Klima einsetzen, sich damit beschäftigen, was alles schief läuft auf dem Planeten, haben sie mehr gelernt als im wenigen verpassten Unterricht am Freitag Mittag. Woche für Woche fallen zig Stunden aus, weil zu wenig Lehrer da sind. Das ist ein Grund sich aufzuregen.

Es ist eine Unterstellung, dass es den Jugendlichen bei der „Fridays for Future“-Demo nur ums Schwänzen geht. Wie die Beteiligung um 14 Uhr ausgefallen wäre, weiß niemand. Einfach zu behaupten, dass dann niemand gekommen wäre, ist unfair. Natürlich setzen sich einige unter dem Deckmäntelchen des politischen Engagements ab. Das gab es schon immer. Doch die Menge, die trotz widerlichen Wetters durch die Ulmer Innenstadt marschiert ist, war beeindruckend. Respekt für diesen Auftritt.

Demonstrieren reicht nicht

Die Jugend ist größtenteils unpolitisch geworden. Das wird zu Recht beklagt. Weil es ihr zu gut geht, ihr der gemeinsame Gegner abhanden gekommen ist. Es ist höchste Zeit, dass junge Leute sich wehren und sich nicht nur um die Freiheit des Internets, sondern vor allem um den bedrohten Planeten sorgen. Doch es reicht nicht, einmal mit dem Segen des Kultusministeriums auf die Straße zu gehen. Bei der nächsten Demo wird es ernst. Die Schulleiter werden die Absenz nicht mehr absegnen können. Aber natürlich haben sie einen Spielraum. Zwischen knallhartem Durchgreifen und offiziellem Tolerieren ist jede Menge Platz. Wie wäre es mal wieder mit einem „Ulmer Modell“? Wer einheitliche Regelungen für bewegliche Feiertage hinbekommt, sollte auch bei weitaus wichtigeren Dingen etwas gemeinsam schaffen.

An den Schülern ist es, ihre Lehrer von der Ernsthaftigkeit des Protests zu überzeugen. Es reicht nicht, nur freitags Klimaschützer zu sein. Wer sich außerhalb des Pflichtunterrichts dafür stark macht, der hat bessere Argumente. 

Das könnte dich auch interessieren: