Ulm Reklame mit Rad

Ulm / BEATE ROSE 13.03.2015
Wer nicht wirbt, stirbt. Das zitieren gerne hippe Zeitgenossen, die in Werbeagenturen arbeiten. Wie machen Unternehmer auf sich aufmerksam, denen dafür das Geld fehlt? Immer mehr setzen aufs Rad. Drei Beispiele.
Der Klamottenladen: Elke Kastner ist eine Frau der flotten Sprüche: „Wir haben vieles, nur nichts fies produziertes“, ist so einer. Oder: „Mit der Mode ist es wie mit interessanten Menschen, man muss sich verlieben.“ Oder: „Sei Du . . . bloß gut angezogen.“

Diese Sprüche behält Kastner nicht für sich, sondern schreibt sie auf Schilder, die sie auf die Gepäckträger ihrer beiden Fahrräder stellt. Die parkt sie in der Innenstadt, schließlich sind das abgestellte Werbeträger für ihren Kleiderladen „der Rabe“ in der Rabengasse.

Als sie vor vier Jahren ihren Laden eröffnet hatte, kam sie auf die Idee mit der mobilen Werbung. Aus der Not heraus. „Sämtliche Möglichkeiten, die die Stadt bietet wie Außenwerbung auf Plakatwänden, sind unglaublich teuer.“ Ihr sei als Alleinkämpferin nichts anderes übriggeblieben als Alternativen zu suchen. Gefunden hat sie die in Form von Rädern. Die hatte sie im Keller stehen, schließlich fährt sie gerne Rad und achtet darauf, „umweltverträglich“ in die Stadt zu kommen.

Ihre Werberäder sind solche, die von sich aus auffallen, nämlich ein mintgrünes aus den 50er Jahren und ein edles mit Holzverkleidung der dänischen Marke „Herskind“, von dem es nur 500 Stück gibt. Kastner besitzt Nummer 72. Selbstverständlich passt sie auf ihre Räder auf. Das heißt: Sie parkt jeden Morgen ihre Räder aus, stellt sie an verschiedenen Orten zwischen Rabengasse und Rathaus auf und holt sie jeden Abend ab. „Das ist der Preis. Wenn man bei der Werbung sparen will, muss man Zeit investieren.“

Für die Stadt Ulm sind Fahrräder, die als Werbeträger eingesetzt werden, kein Problem, sagt Pressesprecherin Marlies Gildehaus. Zumindest noch nicht. Obwohl es immer mehr werden – an manchen Ecken parken schon mal drei Räder unterschiedlicher Geschäfte –, habe sich noch niemand darüber beklagt.

Zwei Bedingungen stellt die Stadt an die Radaufsteller: Die Räder müssen verkehrstüchtig und dürfen nicht wochenlang am gleichen Platz geparkt sein. Andernfalls werden die Besitzer aufgefordert, ihre Fahrzeuge zu entfernen. Grundsätzlich gilt: Verboten ist die Art des „Guerilla-Marketings“ nicht. Ob dadurch der Stadt Einnahmen fehlen, weil Unternehmen ihr eigenes Ding in Sachen Werbung machen und sich so beispielsweise die Kosten für einen Aufsteller von knapp 300 Euro im Jahr sparen, kann Gildehaus nicht sagen.

Der Bergsportausstatter: Im September 2013 hat Frank Steinhauser den „Mammut Store“ in der Frauenstraße eröffnet. Vom ersten Tag an war ebenfalls das „Mammut Rad“ da. Steinhauser suchte eine Möglichkeit, für wenig Geld auf seinen Laden in „Randlage“, wie er sagt, aufmerksam zu machen. Aus Großstädten kannte er die Art der Reklame. Also entschied sich Steinhauser für ein Rad, das zu seinem Laden passt, einem Ausrüster für den Bergsport. Nun wirbt dafür ein Trekkingrad, das er gebraucht gekauft hat. „Der Werbedruck war viel teurer als das Rad.“ Er hat Tafeln anfertigen lassen, die auffallen, mit schwarzem Mammut auf pink-schwarzem Grund plus Adresse des Geschäftes. Eingebaut sind sie in Vorder- und Hinterrad.

Seiner Ansicht nach scheint die Sache mit der Werbung auf zwei Rädern aufzugehen: „Oft kommen Leute in den Laden und erzählen, wo sie es gesehen haben.“ Beschädigt wurde es noch nie. Doch um noch mehr aufzufallen, hatte Steinhauser in den Eröffnungswochen des „Mammut Store“ einen Rucksack auf den Gepäckträger gestellt, aus dem ein Plüsch-Mammut guckte. Das Tier trug die Botschaft um den Hals: „Bring mich nach Hause.“ Das machten einige Leute. Nur: Als der dritte Rucksack vom Rad gestohlen war, hat Steinhauser auf die Rucksäcke verzichtet. Das Fahrrad stellt er jeden Tag auf.

Der Blumenladen: Weiße Callas um den Korb geschlungen, der hinten am Gepäckträger befestigt ist, im Rahmen ein Schild mit der Ladenadresse, am Lenker eine kleine Vase mit Callas – so sieht der mobile Werbeträger des Ladens „Callas“ aus, der vor allem Kunstblumen vertreibt. Das Geschäft befindet sich in der Salzstadelgasse, „etwas versteckt“, wie Susanne Raffel, eine der beiden Inhaberinnen, erzählt.

Als sie im November 2010 das „Callas“ gemeinsam mit Brigitte Matthes-Uetz eröffnet hatte, war für beide Inhaberinnen klar: Wir brauchen etwas, das von der nächstgrößeren Gasse aus, der Dreikönigsgasse, auf uns aufmerksam macht. Wie gut, dass Brigitte Matthes-Uetz ein „wunderschönes Rad“ (Raffel) ihrer Oma im Keller stehen hatte. Flugs wurde das zum Werbeträger gestaltet. Natürlich mit jenen Dingen, die beide unter anderem im Laden verkaufen, nämlich den Callas aus Seide. Die sind zwar laut Raffel für ein Rad „ein bisschen ausgefallen“. Doch sie schmücken offenbar so auffallend, dass den Frauen nun oft berichtet wird, dass Leute probieren würden, „die Blumen abzuziehen“, erzählt Raffel. Aber: „Die haben wir gut befestigt, die Blumen bleiben dran.“

Das blümerante Rad steht nicht nur zu werblichen Zwecken im näheren Umfeld des Geschäftes, sondern „es ist auch unser Dienstwagen“. Der ist so schön, dass einige Leute den Frauen das Rad abkaufen wollten. Doch deren Haltung ist da ganz klar: „Unser Rad geben wir nicht her.“ Vielmehr wird es gehütet und jeden Abend in den Laden geräumt und jeden Morgen auf die Gasse gestellt. „Damit man uns wahrnimmt“, sagt Raffel.

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