Ulm Reizvoller Kontrast von Barock und Moderne Hassler-Consort mit Händels "Julius Cäsar"

Eine starke Besetzung: (von links) Armin Stein, Christian Palm und Achim Hoffmann in Händels "Julius Cäsar" im Stadthaus. Foto: Volkmar Könneke
Eine starke Besetzung: (von links) Armin Stein, Christian Palm und Achim Hoffmann in Händels "Julius Cäsar" im Stadthaus. Foto: Volkmar Könneke
Ulm / MARINA STAIGER 05.03.2013
Franz Raml und sein Hassler-Consort bestechen mit ihrer Fassung von Händels Oper "Julius Cäsar". Am Dienstag wird sie nochmals im Stadthaus gezeigt.

Passt eine opulente Barock-Oper in einen modernen Konzertsaal? Wenn eine ausgemachte Barockmusik-Kennerin wie Sharon Weller die Regie übernimmt, kann dieser Kontrast geradezu reizvoll wirken. Die Dozentin an der Basler Hochschule für Barockmusik nutzte für ihre Inszenierung von Händels "Julius Cäsar" im Stadthaus moderne Technik für die Zeitreise in frühere Jahrhunderte: Die Spezialistin für barocken Gesang und sängerische Gestik ließ historische Kulissen mit ägyptischen Motiven abfotografieren, die im Stadthaus auf die Saalwand projiziert wurden. Zusammen mit den farbigen Lichteffekten und den realen Obelisken links und rechts auf der Bühne entstand so ein orientalisch anmutender Spiel-Raum.

Die historischen Kulissen, Anfang des 20. Jahrhunderts nach Entwürfen des Stuttgarter Bühnenbildners Wilhelm Plappert (1856-1925) angefertigt, stammen ursprünglich aus dem Stuttgarter Hoftheater. Nach dessen Brand 1902 wurden sie nach Ravensburg ausgelagert, wo sie jahrzehntelang ungenutzt im Kulissenhaus lagen. Seit 2011 werden diese kunsthistorischen Schätze nach und nach restauriert - und, wie jetzt in Ulm, für Aufführungen indirekt genutzt.

Durch den gelungenen virtuellen Kunstgriff spannte sich die Aufführung äußerst reizvoll über viele Jahrhunderte. Nachgebaute historische Instrumente aus der Barockzeit wie Barock-Streichinstrumente, Barock-Oboe, Barock-Fagott, Laute und Naturhorn, bestimmten das warme klangliche Bild.

Spannend war auch die barocke Gestik. Je nach Affekt in der Partie nutzten die Sänger sprechende Handbewegungen und Körperhaltungen, die in barocker Manier gekünstelt, gestelzt wirken sollten.

Kostümbildnerin Angela Schuett hatte die stimmlich durchweg hervorragend disponierten Solisten in wunderschöne barocke Gewänder gekleidet, diese allerdings schlicht gehalten.

Mit enormen, dennoch immer leicht schwingendem Tempo führte Franz Raml Solisten und Kammerorchester durch die drei Akte der Oper. Geschmeidig und schlank in der Stimmführung wirkten die Hauptakteure Armin Stein (Kontratenor) als Julius Cäsar und Sabine Winter (Sopran) als Cleopatra.

Selbst in den Presto-Arien arbeiteten die beiden die reiche Ornamentik deutlich heraus. Auffallend war, dass mit den beiden anderen Kontratenören Alexander Schneider und Bernhard Schafferer alle Partien im Originalklang und mit jungen deutschen Counter-Tenören besetzt waren. Martina Gmeinder (Mezzosopran), Christian Palm (Bariton), Herrmann Oswald (Tenor) und Achim Hoffmann (Bariton) bildeten eine gesanglich starke Nebenrollen-Besetzung.

Info "Julius Cäsar" wird heute, Dienstag, 19.30 Uhr, nochmals im Stadthaus Ulm gezeigt. Karten an der Abendkasse ab 18.30 Uhr.