Jubiläum Reise durch imaginäre Räume

Talk zu später Stunde (v.l.n.r.): OB Gunter Czisch, Landrat Heiner Scheffold, Moderator Marc Hermann, Landrat Thorsten Freudenberger und IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle.
Talk zu später Stunde (v.l.n.r.): OB Gunter Czisch, Landrat Heiner Scheffold, Moderator Marc Hermann, Landrat Thorsten Freudenberger und IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. © Foto: Oliver Schulz
Thomas Vogel 19.10.2018

Was würde denn in 20 Jahren erfunden sein? Als die Feiergesellschaft im Wiley-Club das Orakel geben durfte, war das Ergebnis der Abstimmung per Applaus-Lautstärke eindeutig. Bis 2038 würde die Universität Ulm einen „Beamer“ entwickelt haben, was dafür spricht, dass das „Raumschiff Enterprise“ bis heute die Fantasien bewegt. Bei Zukunftsforscher Max Hergt flog man immerhin bereits auf den Mars oder zumindest per Flugtaxi quer durch den urbanen Raum. Neu-Ulms Landrat Thorsten Freudenberger sieht bis dahin die digitale Infrastruktur längst dicht geknüpft, will sich aber im Ruhestand weiterhin lieber an seiner antiken und somit analogen Wanduhr ergötzen.

So nahm denn die 20-Jahr-Feier des Vereins Innovationsregion Ulm die Gäste mit auf eine imaginäre Reise durch Räume und Zeiten. Der per Film zugespielte, aber auch ganz real im Saal präsente Alt-OB Ivo Gönner als einer der Gründer erinnerte an die Beweggründe von einst, die Kraft der Region per Regionalmarketing gebündelt nach außen zu kommunizieren. Sein Nachfolger Gunter Czisch hat die Aufbruchsstimmung von damals in Erinnerung behalten und sieht die Region heute glänzend positioniert. Was die Zukunft betrifft, erging er sich einmal mehr in der Andeutung auf eine „grundlegende Systemänderung“ im Bereich der Mobilität, ohne sich dabei mit Details aufs Terrain der Spekulation vorwagen zu wollen.

Zukunftsforscher haben damit weniger Probleme. In Hergts Impulsvortrag verlässt der Fahrgast in den Städten immer häufiger den sicheren Boden, ansonsten ist er autonom unterwegs oder mit einem Affenzahn im Hyperloop. Das Heim ist voll digitalisiert, und der mit Sensitivdaten gefütterte Badezimmerspiegel sagt einem auf den Kopf zu, ob man fit oder krank sei.

Ach ja, die Digitalisierung – sie war natürlich omnipräsent an diesem bunten Abend, und das in ihrer ganzen Bandbreite als Innovationstreiber wie als Problembär. Im Comedy-Theater, nur so ein Beispiel Hergts, bezahlt der Besucher nach der Anzahl seiner Lacher. Doch was, wenn dieser zu Geiz neigt und sein Lachen sich auf später aufhebt? Gut, dass das noch Zukunftsmusik ist, jedenfalls für die Improvisationstheater-Truppe „Die woll’n doch nur spiel’n“, die das Beamer-Votum des Saals sogleich in eine Slapstick-Nummer überführten.

Von Visionen und Illusionen keine Spur ebenso beim sehr traditionsverhafteten Buffet. Moderator Marc Hermann hatte es danach zu vorgerückter Stunde zunächst recht schwer, die Gäste noch für die avisierte Talk-Runde zu interessieren. Die Erwartungen ihrer Teilnehmer, was sich in 20 Jahren gelöst haben wird, waren dann erstaunlich handfest. Für Alb-Donau-Kreis-Landrat Heiner Scheffold und IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle lässt es sich bis dahin auf einer Hochgeschwindigkeitstrasse auch nach München düsen, Freudenberger rechnet mit mannigfachen neuen Geschäftsmodellen.

Doch alle, die da auf dem Podium die Innovationsregion repräsentierten, sehen in der Zukunft ebenfalls wachsenden Bedarf am Rückbesinnlichen. Für Czisch werde der Wunsch nach direkter Kommunikation eher wieder stärker sein, bei Freudenberger die „regionale Identität“ wichtiger denn je. Zu Hause fungiert bei beiden Landräten die „Lagerfeuerromantik am nicht digital betriebenen Schwedenofen“  auch künftig als Labsal für die Seele. Und wenn Sälzle erst einmal hochbetagt ist, wolle er ganz ohne Smartphone auskommen.

Wer dem Verein angehört

Mitglieder Rund ein Drittel der 90 Mitglieder stammt aus dem Verwaltungs- und Bildungsbereich, zwei Drittel aus der Wirtschaft, vom Bankinstitut über das mittelständische Unternehmen bis hin zum Weltkonzern.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel