Wert Reiche suchen antike Wertanlagen auf Ulmer Sammlermesse

Ulm / CHRISTOPH MAYER 29.05.2015
Internationale Antiquitäten, alte Waffen bis zurück zur Keltenzeit. Eine so kostbare Messe hat Ulm noch nicht gesehen. Wert der Exponate: deutlich über 50 Millionen Euro. Die Besucher kommen aus aller Welt.
Michael Everett lebt in Fredericksburg, Virginia, und ist pensionierter Oberst der US-Armee. Auf die Internationale Sammlermesse Ulm (ISMU) in der Friedrichsau ist er gekommen, weil er erlesene Biedermeier-Möbel und deutsche Militärabzeichen aus der Kaiserzeit sammelt. „Ein Biedermeier-Schränkchen wär’ fein“, sagt er in nahezu akzentfreiem Deutsch. Wie viel er dafür ausgeben würde: „15.000 Euro, plus Verschiffungskosten.“

Gemessen an dem, was die seit gestern geöffnete Messe an Exponaten zu bieten hat, fällt Everetts Wunsch fast schon in die Kategorie „Peanuts“. Michael Pfanneberg, Co-Geschäftsführer der veranstaltenden Messegesellschaft BIPFA mit Sitz in Landshut beziffert den Wert der an rund 150 Ständen angebotenen Exponate mit „deutlich über 50 Millionen Euro“. Entsprechend streng sind die Einlasskontrollen. Mehr als 20 Wachleute sorgen Tag und Nacht für Sicherheit.

Dass ausgerechnet die kleine Messe Ulm Standort einer so exquisiten Veranstaltung geworden ist, hat mit dem Amoklauf von Winnenden vor sechs Jahren zu tun. Denn aus Pietätsgründen lehnt die Messe Stuttgart seither Veranstaltungen ab, bei denen auch Waffen verkauft werden. Auf der Suche nach einem neuen Standort in Süddeutschland sei die Wahl vor allem ob der günstigen Verkehrsanbindung auf Ulm gefallen, erläutert Pfanneberg. Oberbürgermeister Ivo Gönner habe Entgegenkommen signalisiert, sofern die Messe „kein Konfliktpotenzial“ berge.

Tut sie nicht, denn die Veranstalter haben gewissermaßen abgerüstet. Ausgestellt und verkauft werden außer internationalen Antiquitäten nurmehr „historische Waffen bis zum Jahr 1945“, wie Pfanneberg es ausdrückt – das Angebot reicht vom keltischen Bronzebeil über mittelalterliche Schwerter und seltenen Original-Uniformen aus der napoleonischen Zeit bis hin zu Wehrmachtsbeständen, für die sich gestern auch ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes interessierte. Denn Hakenkreuze und SS-Runen dürfen öffentlich nicht zur Schau gestellt werden. Zu beanstanden hatte der Beamte jedoch nichts.

Unten den Exponaten sind wahre Schätze. Die tadellos erhaltene österreichische Ritterrüstung aus dem Jahr 1537 etwa, die Andrew Lumley verkauft, ist für schlappe 150.000 Euro zu haben. „Schon so gut wie verkauft“, sagt der Händler aus London. Galerist Dr. Michael Ewenstein verkauft Ikonen mit Originalzertifikat. „Ab 200 Euro bis zum Preis für einen Mercedes der gehobenen Klasse“, sagt der gebürtige Lette lachend.

Prunkstück eines Berliner Antiquitätenhändlers ist ein handlicher Zinnbecher, den kein Geringerer als Friedrich Freiherr von der Trenck von Hand verziert haben soll. Zeit dazu hatte er. Friedrich der Große ließ ihn 1760 einkerkern, weil Trenck es gewagt hatte, mit des Königs Schwester anzubandeln. 25.000 Euro verlangt der Händler für den Becher, er ist sicher, dass er ihn auf der Messe an den Mann bringen wird – Frauen sind unter den Besuchern in der Tat eine zu vernachlässigende Größe.

Mit gut 10.000 Messebesuchern hatte Pfanneberg gerechnet. Gestern Vormittag waren schon 7000 da. Nicht nur eingefleischte Sammler seien dabei, sondern viele gut Betuchte, die ihr Geld in Sachwerten anlegen wollen. „So eine Ritterrüstung kann ja auch durchaus mal das Foyer einer Anwaltskanzlei schmücken.“

Info Die Sammlermesse in der Donauhalle hat heute und morgen von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet. Die Antikwaffenmesse geht am Sonntag bereits um 15.30 Uhr zu Ende. Eintritt: 12 Euro, Kinder bis zwölf Jahren frei.

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