Klinik Reha wird ausgelagert

Der Neubau der Ulmer Uniklinik von oben.
Der Neubau der Ulmer Uniklinik von oben. © Foto: Uniklinik
Ulm / RUDI KÜBLER 07.10.2012
Das Uni-Klinikum lagert weiter aus: Die Rehabilitationsmedizin wird teilprivatisiert. Prof. Jürgen Steinacker, der Leiter der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, weiß bislang offiziell nichts.
Mitte Juni ist die Chirurgie des Uni-Klinikums auf den Oberen Eselsberg gezogen, zusammen mit der Dermatologie stehen ihr im Neubau 31 000 Quadratmeter zur Verfügung. Doch offensichtlich ist der Neubau schon wieder zu klein – oder es wurden eklatante Fehler bei der Planung gemacht. Die Konsequenz, die das Klinikum aus der Raumnot zieht: Derzeit wird das ehemalige Casino neben der alten Chirurgie für 1,1 Millionen Euro für die Sportmedizin umgebaut, Anfang November soll die Sektion, die Prof. Jürgen Steinacker leitet, einziehen.

Allerdings ohne die Rehabilitationsmedizin. „Der Neubau auf dem Oberen Eselsberg hat es mit sich gebracht, dass wir neue Wege gehen“, erläutert Prof. Reinhard Marre in einer Pressemitteilung. Intensiv sei geprüft worden, ob für die Sport- und Rehabilitationsmedizin die noch vorhandenen freien Flächen auf dem Oberen Eselsberg ausreichend sind, oder ob ein gesonderter Neubau realisiert werden kann. Beide Ideen mussten verworfen werden, so der Ärztliche Direktor des Klinikums. Bei Variante eins hätte der Platz nicht gereicht, Variante zwei sei wegen der Kosten von 10 Millionen Euro nicht zu stemmen gewesen. „Am Ende gab es leider keine Alternative zur Umbaulösung und Trennung von ambulanter Rehabilitation und Sportmedizin.“

Zum 1. Dezember werde die ambulante Rehabilitation im Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZAR) in Söflingen in Trägerschaft von Universitätsklinikum und Nanz medico fortgesetzt werden, so Marre weiter. Wie zu hören ist, ist das Klinikum zu 40, die Nanz medico, die unter einer Holding verschiedene ambulante Reha-Zentren betreibt, zu 60 Prozent am ZAR Ulm beteiligt.

Prof. Steinacker kennt die Pressemitteilung des Klinikums nicht, „sie ist nicht mit mir abgesprochen“, sagt der Ulmer Sportmediziner am Rande des Kongresses „Exercise is Medicine“ (Sport ist Medizin), der bis gestern in Berlin stattfand. Ironie der Geschichte: Die Teilnehmer des Kongresses – 120 Sportmediziner, Sportwissenschaftler und Vertreter des Gesundheitswesens – beschäftigen sich mit Rehabilitation, „ein von Medizinern weithin unterschätztes Thema“, wie Steinacker in seiner Funktion als Vorsitzender dieser europäischen Initiative sagt. Dass der Klinikums-Vorstand genau diesen Bereich abtrennen und teilprivatisieren will, kann Steinacker nicht schmecken, „Rehabilitation ist eine öffentliche Aufgabe“. Was die Vorgehensweise der Klinikums-Leitung angeht, hält sich der Wissenschaftler bedeckt. Nur so viel: „Wir arbeiten sehr erfolgreich. Seit 2007 haben wir Drittelmittel für Forschung in Höhe von 8,5 Millionen Euro eingeworben.“

Insider berichten von einem „tiefen Zerwürfnis“ zwischen dem Klinikums-Vorstand auf der einen und Prof. Steinacker auf der anderen Seite. Die Sektion, 2002 von der Abteilung zur Sektion degradiert, solle über kurz oder lang abgewickelt werden, wollen gut informierte Kreise wissen. Andere sprechen von „fiesen Methoden“, mit dem Ziel, die renommierte Sektion an die Wand zu fahren.

Auch Martin Rivoir drängt sich der Eindruck auf, dass die Klinikumsleitung die Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin loswerden will. „Wie man eine erfolgreiche Sektion derart amputieren kann, ist nicht nachvollziehbar“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete. Er sei „irritiert und auch enttäuscht“, dass seine Versuche, den Konflikt zu lösen, erfolglos waren – trotz mehrerer Gespräche mit der Klinikumsleitung und dem Ministerium. Rivoir weiß Kollegen aus dem Gemeinderat hinter sich, „aus der Kommunalpolitik wird der Wunsch geäußert, dass die Sport- und Rehabilitationsmedizin weiterarbeiten kann wie bisher. Die Rehabilitation soll Teil des Uni-Klinikums bleiben.“