Ulm Rednerpreis: Markwort warnt Politiker

Rednerpreisträger Helmut Markwort, Speakers-Präsident Martin Laschkolnig und Laudator Paul Breitner (von links) bei der Verleihung im CCU.
Rednerpreisträger Helmut Markwort, Speakers-Präsident Martin Laschkolnig und Laudator Paul Breitner (von links) bei der Verleihung im CCU. © Foto: Lars Schwerdtfeger
FRANK KÖNIG 12.09.2016
Vor allem in der Politik spielt Rhetorik eine wichtige Rolle. Sie sollte nicht die Grundlagen der Demokratie aushöhlen, warnte nun Preisträger Helmut Markwort in Ulm.

  Der Träger des Deutschen Rednerpreises 2016, „Focus“-Herausgeber Helmut Markwort, betrachtete bei der Verleihung im CCU die politische Diskussion in Deutschland als gefährlich. Die Parteien unterstellten sich oft „niedrige parteipolitische Motive“ – gängige Floskel: ein Partei-Süppchen kochen – und unterminierten so die Grundlagen der Demokratie. Eine ähnliche Situation habe es zum Ende der Weimarer Republik gegeben, als das Parlament als „Schwatzbude“ betrachtet und Deutschland anschließend  von der NS-Diktatur beherrscht wurde.

Bei der Rednerpreis-Gala der German Speakers Association (GSA) am Samstag nannte Markwort vor etwa 250 Gästen auch positive Beispiele aus der Politik wie etwa Helmut Schmidt, der zwar ein „Pausenkünstler“ gewesen sei. Dennoch habe der SPD-Kanzler „Politik immer aufgewertet“. Das gelte in gleicher Weise für Carlo Schmid, Herbert Wehner, Franz Josef Strauß. Führende amerikanische Politiker setzten statt der freien Rede dagegen meist auf Teleprompter als Hilfe zum Ablesen.

Markwort nannte in einem geschliffenen Vortrag auch seine rhetorischen Vorbilder: an erster Stelle Cicero, der „stilistische Kunstwerke“ hervorgebracht habe, die genau aufs Publikum zugeschnitten waren und die er immer wieder eingeübt habe – wie Winston Churchill, der so einen Sprachfehler überwinden konnte.

Der englische Regierungschef, ein exzellenter Redner, habe nach dem Zweiten Weltkrieg durchaus versöhnliche Worte gefunden und 1946 in Zürich sogar Deutschland und Frankreich als tonangebende Staaten im vereinten Europa genannt.

Die Laudatio auf Markwort hatte im Einstein-Saal Paul Breitner gehalten, beide kennen sich vom FC Bayern. Breitner bescheinigte dem „großen deutschen Medienmacher“ einen „Drang zur Wahrheit, Mut zu Fakten“. Er könne, wie seine Talkrunde im bayerischen Fernsehen zeige, durchaus Tacheles reden, nehme dabei kein Blatt vor den Mund, bleibe jedoch im Gegensatz zu ihm – Breitner – stets diplomatisch.

GSA-Ehrenpräsident Lothar Seiwert überreichte den Preis, den 2015 noch die Halbschwester von US-Präsident Barack Obama, die kenianische Autorin und Initiatorin einer Stiftung für afrikanische Jugendliche Auma Obama, erhalten hatte. Seiwert hielt dabei selber noch eine kleine Laudatio auf Breitner, den er begeistert eine „Legende des deutschen Fußballs“ nannte. Auch Präsident Martin Laschkolnig gratulierte Markwort zu der Auszeichnung.

Beim Kongress am Wochenende trafen sich, wie berichtet, Keynote-Speaker, Motivationstrainer und Coaches aus ganz Deutschland im Maritim, um sich auszutauschen und weiterzubilden. Zum Abschluss am Sonntag gab es noch den „One Million Dollar Table“: mit denjenigen Trainern, die mehr als eine Million Umsatz pro Jahr machen.

Am Samstag lief auf dem Kongress auch ein Workshop mit Walter Kohl, in dessen Lebenslauf zunächst nichts darauf hindeutet, dass er der Sohn des früheren CDU-Bundeskanzlers Helmut Kohl ist. Er referierte in Ulm über das Thema „Mehr Stärke durch inneren Frieden und Sinn.“ Kohl führt mit seiner Frau außerdem eine deutsch-koreanische Dienstleistungsfirma für Zulieferer. Um ihn zu interviewen, war auch das Rhetorik-Magazin vor Ort.