Neu-Ulm Recycling: Konzelmann verwandelt Alu-Schrott

In einer Wolke aus Dampf, die an kalten Tagen bei der Kühlung heißer Alubarren mithilfe von Wasser entsteht, lässt sich Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (Mitte) die Abläufe in den Hallen des Konzelmann-Schmelzwerks ain der Max-Eyth-Straße erklären. Dort werden unter anderem Getränkedosen recycelt. Fotos: Matthias Kessler
In einer Wolke aus Dampf, die an kalten Tagen bei der Kühlung heißer Alubarren mithilfe von Wasser entsteht, lässt sich Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (Mitte) die Abläufe in den Hallen des Konzelmann-Schmelzwerks ain der Max-Eyth-Straße erklären. Dort werden unter anderem Getränkedosen recycelt. Fotos: Matthias Kessler
REGINA FRANK 15.02.2013
Recycling schont nicht nur die Umwelt, mit Recycling lassen sich auch Millionen-Umsätze erwirtschaften. Die Konzelmann Metallschmelzwerke haben gestern einen Blick in ihre Produktion ermöglicht.

Metallschmelzwerk - das hört sich nach immensem Energieverbrauch an. Alles relativ: Die Karl Konzelmann Metallschmelzwerke stellen in ihrem Neu-Ulmer Werk Alu-Legierungen in flüssiger Form und als Barren her und zwar aus Schrott - dieses Recyclingverfahren benötigt nur fünf Prozent der Energie, die bei der üblichen Herstellung von Aluminium benötigt wird. Infolgedessen liegt auch der CO2-Ausstoß bei lediglich fünf Prozent des Ausstoßes einer gewöhnlichen Produktion. Die Einsparung ist so hoch, dass sie die CO2-Emissionen von 68.000 Einwohnern kompensiert, also mehr als in der Stadt Neu-Ulm wohnen, rechnete Roland Keller, einer der Geschäftsführer im Mutterunternehmen Aluminiumschmelzwerk Oetinger, anlässlich eines Besuchs von Oberbürgermeister Gerold Noerenberg vor.

Auf dem Firmengelände in der Max-Eyth-Straße sind Berge von Aluspänen aufgetürmt, wie sie in der Industrie als Abfall anfallen. Berge von Zeitungsdruckplatten. Unmengen an zusammengepressten Tuben, Dosen und Folien. Die Kunst des Alu-Schrott-Recyclings beginnt mit der Klärung der Frage, welche Stoffe der jeweilige Schrott eigentlich enthält. Von jeder Lieferung geht zuerst eine Probe ins eigene Labor. Je nach Zusammensetzung wird das Material gezielt für eine ganz bestimmte Legierung aufbereitet und mit Kupfer, Titan, Strontium, Magnesium oder Silizium angereichert.

Die Legierungen finden überwiegend Anwendung in der Autoindustrie und deren Zulieferern, die daraus Motorteile, Zylinderköpfe, Kurbelgehäuse oder Ölwannen herstellen. Auf der Kundenliste von Konzelmann stehen Firmen wie Daimler, BMW, Handtmann, Mahle und ZF. Sie bekommen die Legierungen auf Wunsch in Thermobehältern und in einer bestimmten Temperatur angeliefert, die Spanne liegt zwischen 730 und 800 Grad Celsius. Obendrein just-in-time. Es wird genau dann geliefert, wenn der Kunde Bedarf hat. Das geht soweit, dass bei Konzelmann am Wochenende durchgearbeitet wird - im Schnitt einmal im Monat und, wie Werksleiter Clemens Weber beteuerte, im Konsens mit dem Betriebsrat.

Das Werk in Neu-Ulm mit seinen 140 Mitarbeitern gehört seit 2005 zum Aluminiumschmelzwerk Oetinger (Sitz: Weißenhorn), das noch zwei weitere Standorte in Deutschland und einen in Frankreich hat. Die Familie hält nur noch wenige Anteile, Mehrheitsgesellschafter ist Andreas Fürst zu Leiningen. Die Jahresproduktion in den fünf Werken liegt bei 300.000 Tonnen, das Werk in Neu-Ulm trägt 80.000 Tonnen bei (täglich rollen 20 Lkw mit Schrott aufs Gelände und 20 Lkw mit Alulegierungen von dort weg).

Der Gesamtumsatz liegt nach Angaben von Albrecht Lukas Hammel, Bevollmächtigter der Gesellschafter, bei 400 bis 500 Millionen Euro im Jahr und ist stark vom Materialpreis beeinflusst. "Zwei Drittel davon werden in Neu-Ulm und Weißenhorn erwirtschaftet." Die Erträge stagnierten, mitunter seien sie rückläufig. "Sie hängen an der Entwicklung der europäischen Autoindustrie und der Weltkonjunktur."

Zurück zur Umwelt: Die hohen deutschen Standards stehen laut Hammel für das Unternehmen außer Frage. Die Unterschiede in Europa, was Umsetzung und Kontrolle angeht, verzerrten jedoch den Wettbewerb. Sprich: Ein Schmelzwerk in Polen kann viel kostengünstiger produzieren, weil es mehr kontaminiertes und somit billigeres Material einsetzen kann. Wettbewerbsverzerrend seien überdies Subventionen, die in anderen europäischen Ländern in den Bau neuer Recycling-Werke flössen.