Laut Bundeskriminalamt wurden 2019 rund 141 000 Fälle von häuslicher Gewalt polizeilich erfasst. Experten gehen jedoch von einer erheblichen Dunkelziffer aus, denn die Scham und Angst gewaltsame Übergriffe anzuzeigen groß – vor allem, wenn diese innerhalb einer Familie oder Beziehung stattfinden.
Um Betroffenen, die sich nicht direkt an die Polizei wenden möchten, dennoch unbürokratisch und schnell zu helfen, hat das Institut für Rechtsmedizin des Uniklinikums mit finanzieller Unterstützung des Sozialministeriums eine Gewaltopferambulanz eröffnet. Dort werden Betroffene beraten, Verletzungen dokumentiert und Spuren gesichert.
Die Gewaltopferambulanz bietet Opfern körperlicher Gewalt ab sofort werktags von 9 bis 16 Uhr nach telefonischer Anmeldung unbürokratisch und kostenlos Hilfe. Melden können sich alle Personen, die körperliche Gewalt erfahren haben und die Spuren dokumentieren lassen möchten. „Erfahrungsgemäß sind das eher Frauen, was jedoch nicht heißt, dass Männer nicht betroffen sind. Bei ihnen ist die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, nur deutlich höher“, sagt Prof. Sebastian Kunz, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin.

Wartebereich und Untersuchungszimmer

Um die Ambulanz betreiben zu können, wurden eigene Räumlichkeiten am Standort Michelsberg ausgebaut, sodass nun ein Wartebereich und ein Untersuchungszimmer zur Verfügung stehen. Geleitet wird die Ambulanz von der Rechtsmedizinerin Anna Müller.
Bei Bedarf, etwa im Falle einer späteren Gerichtsverhandlung, können die erhobenen Befunde als Beweismittel verwendet werden. Die Entscheidung, ob oder wann ein Übergriff angezeigt wird, liege jedoch gänzlich bei den Betroffenen. Denn die Rechtsmediziner unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und können Informationen nicht selbstständig an die Polizei weitergeben. „Als Rechtsmediziner sind wir darauf spezialisiert, Verletzungen durch Gewalteinwirkung zu dokumentieren und zu beurteilen. Deshalb ist es wichtig, dass sich Betroffene an uns wenden und sich nicht nur in einer Notaufnahme behandeln lassen“, so Kunz.