Ulm / REGINA FRANK Der Grünen-Stadtrat Michael Joukov und die Unternehmer Alexander Stirzel und Jürgen Scherer kandidieren für die IHK-Vollversammlung. Sie wollen die Kammer stärker kontrollieren - und haben ein prominentes Vorbild.

In der IHK-Vollversammlung braucht es jemanden, der nicht alles abnickt. Sagt Michael Joukov. Er und zwei weitere Unternehmer aus dem kammerkritischen Umfeld haben sich deshalb entschlossen, für das Kammerparlament zu kandidieren. Die Wahl für eine neue Vollversammlung, eine reine Briefwahl, beginnt heute und dauert bis Ende des Monats.

Das Ziel der Aktion um Joukov, der auch im Ulmer Grünen Gemeinderat sitzt, ist erklärtermaßen nicht die Abwahl einzelner Funktionäre und auch nicht ein genereller Angriff auf die Kammer. Joukov, Alexander Stirzel und Jürgen Scherer wollen vielmehr die Kammerführung stärker kontrollieren. Ihnen gehe es um Transparenz, eine Reduktion auf Kernaufgaben und besonnenes Auftreten nach außen, betont Joukov. "Wir sind der Meinung, dass etliche Aktivitäten der Kammer außerhalb des gesetzlichen Auftrags liegen, Aktionen, die die Kammer viel Geld gekostet haben - wie das S 21-Plakat." Den drei Rebellen gehe es nicht um Stuttgart 21 an sich, zumal die Sache entschieden sei. Einer der drei, der Ulmer Unternehmer Alexander Stirzel, gehört gar zu den glühendsten Verfechtern des Projekts überhaupt. "Wir sind jedoch alle der Auffassung, dass das in den politischen Raum gehört", sagt Joukov. Will sagen: IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz solle sein politisches Engagement selbst finanzieren und nicht mit Zwangsbeiträgen. Bei der Kandidatur gehe es aber weniger darum, Kulitz als Person abzulösen, sondern darum, die Politik der Kammer zu verändern.

Die drei kammerkritischen Kandidaten nennen sich "Ulmer Kaktus", in Anlehnung an Vorbilder in Stuttgart namens "Kaktus", die sich ebenfalls aus Unmut über eine S 21-Kampagne der IHK formierten. Mit Erfolg. Sie bekamen laut Joukov ein Viertel der Vollversammlungsplätze - beim ersten Anlauf. Zu den eigenen Chancen sagt er: "Wir machen das Angebot, eine kritische Sicht reinzubringen. Es wird interessant, ob die Unternehmer es annehmen." Der Ulmer Kaktus tritt in der Wahlgruppe III an ("Unternehmensnahe Dienstleistungen"), sie umfasst 9000 Stimmberechtigte.

Nicht zuletzt verbindet Joukov mit der Kampagne die Hoffnung, mehr Mitglieder für die Wahl zu interessieren. "Die Wahlbeteiligung lag letztes Mal bei unter zehn Prozent."