Ulm/Neu-Ulm Reaktionen regionaler Kirchenleute zum Papst-Rücktritt

UTE GALLBRONNER, VERENA SCHÜHLY 11.02.2013
Der Papst tritt zurück – diese Nachricht überraschte am Montag alle Welt. Katholische und evangelische Kirchenleute aus der Region sprechen von großem Erstaunen, Verständnis und höchstem Respekt.

„Ich hatte in keiner Weise mit einer solchen Entscheidung gerechnet“, sagt Matthias Hambücher, Wengenpfarrer und katholischer Dekan von Ulm. „Benedikt ist eine große Persönlichkeit unserer Zeit, der sich in Klarheit äußert und die nötigen Schritte tut.“ Der Rücktritt aus Alters- und Gesundheitsgründen stehe in der „Linie seiner Persönlichkeit“. Hambücher würdigt das Eintreten des 85-Jährigen für die christliche Botschaft gegen den Werteverfall und seine Leistungen als Autor. Allerdings sei Benedikt in Fragen des Umgangs mit Frauen und anderen christlichen Religionen „sehr zögerlich“ gewesen, so dass es in der katholischen Kirche einen Gesprächs- und Reformstau gebe. „Die Themen muss ein Nachfolger angehen.“

„Ich habe höchsten Respekt vor dieser Entscheidung“, sagt Thomas Keller, Pfarrer der Georgskirche und stellvertretender Dekan. Sie nötige ihm „nachträglich Hochachtung für den Papst ab“, mit dessen Linie er nicht immer einverstanden war. Ein Papst im Ruhestand trage auch zur „Entmystifizierung des Amts“ bei, dessen Träger eben kein göttliches Wesen ist. Jeder Wechsel sei natürlich mit Hoffnung verbunden, aber Bewegung und Reform kommen „aus dem Inneren der Kirche und nicht von oben“.

Für Markus Mattes, katholischen Stadtpfarrer von Neu-Ulm und Regionaldekan, zeugt die Entscheidung des Papsts „von höchster Verantwortung der Kirche gegenüber“, wenn Benedikt merke, dass er das Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausfüllen könne. Ähnlich sieht es auch der ehemalige Dekan und Pfarrer von Bellenberg, Hans Huber: „Ich kann nur sagen: Größten Respekt für den Papst und diese Entscheidung.“

Weil im Laufe der 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche erst drei Päpste zurückgetreten sind, ist Mattes gespannt, was am 28. Februar passieren wird – an diesem Tag will Benedikt seinen Rücktritt vollziehen.

„Es ist sein gutes Recht zurückzutreten, wenn sich der Papst für sein anstrengendes Amt nicht mehr fit genug fühlt“, findet Helmut Mangold, Mitglied im Laiengremium Diözesanrat aus Senden. Es sei Kraft nötig, um die „heterogene Gemeinschaft von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken angemessen zu führen“. Mangold wünscht sich vom neuen Papst, dass er der Rolle der Laien im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils mehr Bedeutung zumisst.

„Wirklich nicht viel Hoffnung auf Veränderung“, hat Dr. Bernhard Fritzenschaft, Ulmer Rechtsanwalt und Mitglied der katholischen Reform-Aktion Montagsbriefe, nach dem angekündigten Papst-Rücktritt. „Impulse zur Reform kommen nicht von oben.“

Der Oberhirte in Rom hat nicht nur Katholiken erstaunt, sondern auch Evangelische. So sagt Prälatin Gabriele Wulz: „Ich bin perplex, das hätte ich nicht gedacht.“ Benedikt XVI. wähle ein anderes Modell als sein Vorgänger Johannes Paul II., der „mit seiner Gebrechlichkeit dem Papstamt eine andere Dimension gab“. Die Prälatin sieht es als „starkes Zeugnis für Menschlichkeit“, wenn Benedikt als alter Mann nicht mehr im Licht der Öffentlichkeit stehen wolle. Seine jüngst abgeschlossene Jesus-Trilogie werde als Vermächtnis gewertet werden.

Wie Wulz wünscht sich auch der evangelische Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, dass der nächste Papst neue Impulse im Bereich Ökumene mit der evangelischen Kirche gibt. „Da sind weitere positive Überraschungen nötig.“ Mit seinem Rücktritt zeige Benedikt ein „beeindruckendes Maß an Selbstbeschränkung: ,Ich bin nicht derjenige, der die Kirche rettet; sondern es muss ein Nachfolger weitermachen’“.

Die Neu-Ulmer Dekanin Gabriele Burmann empfindet Mitgefühl „mit einem alten Mann, der mehr Ruhe braucht – das ist sein gutes Recht“. Auch Burmann hofft auf „eine neue Ära der Ökumene gegenüber der evangelischen Kirche“, denn an der Basis seien die Gemeinden in vieler Hinsicht weiter als die Weltkirche. „Wir sollten als Christen zu den Problemen der Welt möglichst mit einer Stimme sprechen, um glaubhaft zu sein.“