"Das haben wir echt gut gemacht." Damit hat Jens Hiller am Dienstag auf dem Ulmer Marktplatz dann doch leicht untertrieben: Der 18-jährige Saxophonist der Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein muss erst mal verarbeiten, dass sich das Orchester unter Leitung von Manuel Epli tatsächlich den Titel "deutscher Meister" in der Kategorie "Blasorchester Erwachsene" geholt hat. Dabei hatte sich die 70-köpfige Bläserphilharmonie zum allerersten Mal überhaupt für den Bundesentscheid qualifiziert. Ein paar Minuten, nachdem das Ergebnis bekannt gegeben ist, wird den Herrlingern dann bewusst, was sie mit ihrem Auftritt am Montagvormittag im Edwin-Scharff-Haus erreicht haben: "Wir sind das beste Orchester Deutschlands." "Supergeil." "Fantastisch." "Ein Hammer."

Auch Dirigent Manuel Epli grinst von einer Backe zur anderen. "Wir haben hart dafür gearbeitet. Und wir wissen, was wir können", sagt der 33-Jährige. Aber natürlich seien auch die anderen Orchester im Wettbewerb sehr gut gewesen. "Ich habe nach unserem Auftritt ein gutes Gefühl gehabt", sagt Epli. Dass es mit 24,6 von 25 möglichen Punkten dann tatsächlich zum Titel gereicht hat, freue ihn natürlich riesig.

Epli hat für die Bekanntgabe der Ergebnisse am Dienstagvormittag eine "Dienstbefreiung" beantragt. Nach vielen Gratulationen, viel Jubel und vielen Umarmungen aber muss der Mathe- und Informatiklehrer an der Friedrich-List-Schule wieder zurück in den Unterricht. "Ich hab' noch vier Stunden." Feiern müssen die Musikerinnen und Musiker im Alter von 14 bis 67 Jahren daher ohne ihren Dirigenten - dafür mit Grillspaß und ein paar Gläschen Sekt beim Musikerheim in Herrlingen. Wobei - gefeiert haben die Herrlinger bereits am Vorabend, ebenfalls im Musikerheim. Und vor allem einigen der jungen Musiker ist durchaus anzusehen, dass das eine ordentliche Party gewesen sein muss: müde Augen, blasse Gesichter. "Wir haben echt gedacht, dass wir den dritten Platz machen", erzählt Rita Sommer, Vorsitzende der Bläserphilharmonie. Und selbst darüber hätten sich alle irre gefreut, entsprechend gut sei die Stimmung bei der Feier gewesen. Dass das Orchester dann tatsächlich als bestes aus dem Bundesentscheid hervorging, "ist superstark", sagt Sommer bereits heiser vom Jubeln: "Das hätte ich nie gedacht."

Ein paar Meter neben den Blausteinern: Wechselbäder der Gefühle. Dort haben sich auf dem Marktplatz die Musikerinnen und Musiker der Jungen Bläserphilharmonie mannschaftsstark um ihren Dirigenten Josef Christ geschart. Als klar ist, dass sie mit 23,4 Punkten ein Ergebnis der ersten Klasse erzielt haben, aber eben wie schon 2012 in Hildesheim hinter den alten Rivalen aus Havixbeck (Nordrhein-Westfalen) auf dem zweiten Platz gelandet sind, bricht nicht wirkliche Freude aus. "Klar, auch wenn's vielleicht vermessen klingt: Aber wir hatten doch alle insgeheim gehofft, diesmal in Ulm Erster zu werden", kommentiert Tubist Felix Vogel, der die Fassung schnell wieder gefunden hat. "Wir waren wirklich sehr gut vorbereitet, haben am Sonntag beim Wettbewerb alles gegeben - und ja auch einen hervorragenden Erfolg errungen. Wenn wir da klagen, dann auf hohem Niveau."

Das sieht Sophia Hüber nicht anders. Sie ist erste Klarinettistin und Konzertmeisterin der JBU. "Die 23,4 Punkte sind echt sehr gut. Ein bisschen mehr und ganz oben zu stehen, wäre natürlich noch schöner gewesen", sagt sie. Und tröstet sich: "Vielleicht waren wir ja die Sieger der Herzen." Sophia meint damit den am Sonntag im proppenvollen großen Einstein-Saal des Congress Centrums durch das Publikum mit stehendem Beifall begeistert aufgenommenen Wettbewerbsauftritt der JBU. "Dieses grandiose Konzert zählt ja wirklich auch was."

Nachdem alle Ergebnis verkündet sind, eilen die Verantwortlichen auf Manuel Epli zu, der einst selber der JBU angehört hat. Josef Christ und Michael Leibinger, der JBU-Vorsitzende, gratulieren dem Blausteiner Dirigenten. Der ringt nach der ersten Euphorie ein wenig mit der Fassung. Da wird doch nicht etwa eine Träne verdrückt? Leibinger sagt mit Augenzwinkern: "Ich freue mich für Euch Blausteiner. Ein zweites Super-Orchester in unserer Gegend. Und die Hälfte der Blausteiner kommt ja aus der JBU . . ."

Mit etwas Abstand kommentiert Josef Christ den neuerlich zweiten Platz seines Orchesters im bundesweiten Wettstreit so: "Wir haben die Ulmer Fahnen stark vertreten. Es ist eine Ehre für uns, Preisträger des Deutschen Orchesterwettbewerbs zu sein." Mit Leibinger und dem Ulmer Musikschulleiter Heinz Gassenmeier ist sich der musikalische Leiter einig: Zum vierten Mal in Folge habe sich die JBU beim Deutschen Orchesterwettbewerb der Spitzengruppe platziert und dürfe sich nun erneut deutscher Vizemeister nennen. "Darauf sind wir stolz." Im Wettbewerb habe sich die JBU "mit Perfektion, wunderbarem Klang und berührendem Ausdruck präsentiert". Christ: "Mein Dank geht an das grandiose Publikum, das uns sehr beflügelt hat." Und Leibinger ergänzt: "Ich bin saumäßig stolz auf unsere JBU. Alle haben an einem Strang gezogen haben und wie die Löwen gekämpft."

Preise und Prädikate

Platzierungen Die Platzierung allein ist nicht alles. Auch hinter einem zweiten Platz kann eine erstklassige Leitung stecken. Das machte Dieter Kreidler vom Deutschen Musikrat deutlich, ehe er - bemüht um Spaßigkeit - am Dienstag kurz vor der Mittagsstunde auf dem Marktplatz von der Bühne herunter die Ergebnisse der ersten 9 von 15 Kategorien des Deutschen Orchesterwettbewerbs kundtat (die restlichen acht Wettbewerbe folgen von Donnerstag an). Die Prädikate (Kreidler: "Das sind die Schubladen, in denen ihr steckt") lauten: teilgenommen (1 bis 10,9 Punkte), teilgenommen mit Erfolg (11 bis 15,9), mit gutem Erfolg (16 bis 20,9), mit sehr gutem Erfolg (21 bis 22,9), mit hervorragendem Erfolg (23 bis 25). Es mag für die Musiker der Jungen Bläserphilharmonie Ulm ein kleiner Trost sein, dass sie mit 23,4 Punkten in ihrer Klasse (Jugendblasorchester) zwar hinter Havixbeck (24 Punkte) gelandet sind, aber mit 23,6 Punkten in der obersten Schublade, also auch eine Spitzenleistung abgeliefert haben. Dritter in dieser Kategorie; Marktoberdorf (23 Punkte). Orchester, die mehr als 23 Punkte erreichen, sind Preisträger.

Weitere Preisträger Bei den Erwachsenen-Blasorchestern ging es mit vier Preisträgern noch enger her. Das zeigt, wie hochklassig die Jury die Leistung der Blausteiner Bläserphilharmonie eingeschätzt hat. Die Blausteiner kamen auf 24,6 Punkte vor Bad Griesbach (24), dem Siegerorchester von 2012 aus Hilgen (23,6) und der Stadtkapelle Wangen (23). Weitere Preisträger: Junge Kammerphilharmonie Rhein Neckar (25 Punkte), Jugendkammerorchester Violonissimo (24,8), Puchheimer Jugendkammerorchester (24,6), Jugendkammerorchester Münster (24,2), Orchester Helmholtz-Gymnasium Karlsruhe (23,6), Gitarrenensemble Con Fermezza (23,6), Gitarrenensemble Rheine (23,6), Bielefelder Gitarrenensemble (23,4), Cantomano (23), Jugendgitarrenensemble Erfurt (23), Posaunenchor St. Markus München (23,3), Bläser Christuskirche Herford (23), Akkordeonorchester Untergrombach (25), Dürener Akkordeonorchester (23), Jugendakkordeonorchester Cottbus (23,8).