Die Bahnstrecke Ulm-Friedrichshafen soll als eine der letzten im Land elektrifiziert werden. Der bisherige Zeit- und Finanzrahmen - Fertigstellung 2016, Kosten 180 Millionen Euro - ist nicht zu halten. Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE geht das baden-württembergische Verkehrsministerium auf der Basis von Erkenntnissen der Bahntochter DB Netz davon aus, dass das Projekt erst 2018 vollendet und 226 Millionen Euro teuer wird.

Gegenüber der SÜDWEST PRESSE bestätigte der Ulmer Landtagsabgeordnete und stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Rivoir diesen Sachverhalt, der Gegner des Milliardenprojekts Stuttgart-Ulm (Tiefenbahnhof S 21 in Stuttgart und Neubaustrecke Wendlingen-Ulm) in ihrer Haltung bestärken dürfte. Die Kritiker hatten stets die Befürchtung geäußert, die Elektrifizierung der Südbahn könnte auf der Strecke bleiben oder auf die lange Bank geschoben werden, weil S 21 zu viele Mittel und Kräfte bindet. Rivoir, Befürworter von S 21, Neubaustrecke und Südbahn: "Ich bin erschüttert, man muss an den Fähigkeiten zweifeln."

Jürgen Filius, Ulmer Landtagsabgeordneter der Grünen und S-21-Kritiker, zeigte sich "enttäuscht, aber nicht überrascht". Er habe schon länger das Gefühl, dass die Bahn nicht mit offenen Karten spiele. Nun lasse es nicht mehr leugnen. "Eine Steigerung um mehr als 60 Prozent, von 140 Millionen im vergangenen Jahr auf nun 226 Millionen, ist ein Hammer. Und dann noch zwei Jahre zusätzliche Bauzeit. Dabei wurde noch nicht mal ein Meter Stromdraht gezogen."

Die christdemokratische Landtagsabgeordnete Dr. Monika Stolz äußerte wie IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle mehr Verständnis. Dass das Vorhaben zwei Jahre länger dauere, sei kein Beinbruch, sagten beide. Wesentlich sei, dass die Elektrifizierung komme. Als "ärgerlich" empfindet Stolz allerdings, dass der Kostenrahmen derart in die Höhe geschossen ist. Und Sälzle im Blick auf die Bahn: "Gutes Projektmanagement geht anders."

Derweilen zeichnen sich Auseinandersetzungen darüber ab, wer für die Mehrkosten aufkommt. Der Ulmer OB Ivo Gönner ("Abwarten, erst muss sich die Bahn äußern") geht davon aus, dass sich Bahn und Land auf der Basis ihrer bisherigen Vereinbarung auch die Mehrkosten teilen. Dagegen verlautete aus dem Verkehrsministerium: Es müsse geklärt werden, ob die Bahn und die Kommunen entlang der Strecke die Mehrkosten zahlen.