Region / HELGA MÄCKLE Stromschläge, Prügel, Stachelhalsbänder: In der Ausbildung von Schutzhunden läuft nicht alles nach den Regeln des Tierschutzes. Offenbar kommt nun aber eine Diskussion über diese Methoden in Gang.

Die brutalen Ausbildungsmethoden in manchen Ortsgruppen des Vereins für Deutsche Schäferhunde, kann Thomas nur bestätigen (vollständiger Name der Redaktion bekannt). Er habe in den fünf Jahren, die er auf verschiedenen Übungsplätzen in der Region mit seinem Hund war, so ziemlich alles gesehen und erlebt, was der Ulmer Hundetrainer Oliver Baier im Bericht über die Schutzhundausbildung erzählte.

„Die einen haben mit dem Baseballschläger auf den Hund eingeprügelt, bis er nur noch gejault hat“, erzählt Thomas. Andere hätten den Hund „zwangsapportiert“: Der Hund hat dazu ein Stachelhalsband umgelegt, rechts und links sei eine Leine befestigt, manchmal auch noch vorne eine. Nimmt das Tier nicht wie gewünscht das Apportierholz auf, zwingen ihn die Ausbilder durch das Ziehen an den Leinen dazu. Auch Teletakter – also verbotene Elektroreizgeräte, mit denen dem Tier Stromschläge versetzt werden können – seien auf vielen Plätzen „normal“, sagt Thomas. Er habe sich aufgrund dieser tierquälerischen Methoden vom Hundesport verabschiedet.

Auch auf der Facebook-Seite der SÜDWEST PRESSE wird eifrig über den Artikel diskutiert. Einige Leser äußern in ihren Kommentaren ihre Empörung über die Methoden, andere bestätigen die Vorwürfe, die Baier erhebt. Wieder andere sagen, dass die meisten Hundesportler ihre Tiere ohne Gewalt ausbilden. Auch Baier selbst hat Reaktionen bekommen. „Die einen haben meine Ansicht bestätigt, dass sich in den Ausbildungsmethoden dringend etwas ändern muss.“ Auch Mitglieder aus Schäferhund-Ortsgruppen hätten ihn angerufen. „Sie sagten, ich würde den Verein kaputtmachen.“

Einen besonders bemerkenswerten Anruf habe er vergangene Woche erhalten: von Nikolaus Waltrich, Vize-Präsident des Vereins für Deutsche Schäferhunde mit Sitz in Augsburg. „Es war eigentlich ein sehr gutes Gespräch“, erzählt Baier. Waltrich habe zum einen darauf hingewiesen, dass auch andere Rassehund-Vereine in ihrer Ausbildung Teletakter anwenden und ihn gefragt, was er alles ändern würde. Der Vize-Präsident habe auch berichtet, dass es innerhalb des Vereins mit bundesweit 2200 Ortsgruppen einen kleinen Kreis gebe, der über neue Ausbildungsmöglichkeiten berate. „Ich hab’ ihm gesagt, dass ich da gerne mitarbeiten würde“, sagt Baier und lacht. Denn so ganz überzeugt ist der Ulmer nicht von den guten Vorsätzen des Vereins, der sich selbstverständlich gegen den Einsatz der verbotenen Teletakter ausspricht. „Oder wie ist zu erklären, dass auf der Internetseite des SV für Online-Seminare eines Trainers geworben wird, der dafür bekannt ist, allzu gerne mit dem Tele zu arbeiten.“ Tatsächlich ist auf dessen Homepage zu lesen: „Wir machten einen Sachkundenachweis für Ferntrainer bei einem Amtsveterinär. Aber vor allen Dingen übten und übten und übten wir.“

Ferntrainer ist ein anderes Wort für Teletakter.