Ulm Raus aus der Punk-Ecke

Die drei Ulmer (von links) Daniel Kotitschke, Florian Kiesling und Jonas Schramm nennen sich jetzt Van Holzen, schreiben deutsche Texte und spielen Rock.
Die drei Ulmer (von links) Daniel Kotitschke, Florian Kiesling und Jonas Schramm nennen sich jetzt Van Holzen, schreiben deutsche Texte und spielen Rock. © Foto: PR
Ulm / CLAUDIA REICHERTER 29.05.2015
Holzen heißt laut Duden: "hart und roh spielen". Das gefällt drei Ulmer Musikern. Weil sie Holländisch schick finden, nennen sie sich Van Holzen. Das PopCamp lädt das Trio nun zu einem Pop-Musik-Meisterkurs.

Seit Anfang des Jahres gibt es eine recht erfolgreiche Ulmer Band, die beim Musikmarathon im Roxy im März erstmals auch live auf sich aufmerksam gemacht hat. Sie wird seit fünf Jahren von der Ulmer Popbastion sowie seit Neuestem zudem als eine von nur fünf deutschen Bands über die gemeinnützige Organisation PopCamp vom Deutschen Musikrat gefördert - und heißt Van Holzen. Nie gehört? Kein Wunder. Das Trio nannte sich bis Ende vergangenen Jahres noch anders. Rockfish. Klingt schon bekannter, nicht?

Hinter Van Holzen stecken also Florian Kiesling aus Mähringen, Jonas Schramm aus Lehr und Daniel Kotitschke vom Ulmer Kuhberg. Zwei Kepler-Gymnasiasten und ein angehender Azubi. Sie wollen sich von ihren Anfängen im Musikgeschäft heute dezidiert distanzieren. "Man wird ja älter irgendwie", sagt Sänger, Gitarrist und Texter Flo. "Wenn man mit neun Jahren einen Namen gewählt hat, muss einem der sieben Jahre später nicht mehr unbedingt gefallen. Oder zu einem passen." Das gelte für Rockfish, samt allem, was mit der einst aufsehenerregenden Teenie-Punk-Band, die seit 2006 zwei Alben und eine EP veröffentlicht hat und 2013 schon vor 2500 Zuschauern beim Southside-Festival aufgetreten ist, zusammenhängt: englischer Name, englische Texte, punkiger Rock.

"Wir sind inzwischen komplett auf deutsche Texte umgestiegen", erklärt der 16-jährige Schüler. "Und machen ganz andere Mucke, schon noch Gitarrenmusik, aber anders als bisher." Vergangenen Herbst hatten sich Flo, Bassist Joni (15) und Drummer Dani (15) fürs bundesdeutsche "Treffen junge Musikszene" qualifiziert und fünf Tage in Berlin Workshops zu Gesang, Komposition, Improvisation und Bühnenpräsenz absolviert - samt abschließendem Konzert im Haus der Berliner Festspiele. Zudem ist das Trio seit Anfang des Jahres bei Sparta Booking (Jupiter Jones, Rocky Votolato, Ton Steine Scherben) unter Vertrag.

Da reift man nun mal. Mit dem Ziel vor Augen, "dauerhaft musikalischen Erfolg zu haben", schien es Flo und Kollegen einfacher, den Namen zu ändern, als die ganzen Rockfish-Fans davon zu überzeugen, dass ihre Lieblingsband plötzlich eine Kehrtwende hinlegt. Oder zumindest eine Wandlung in Richtung Erwachsensein. Mittlerweile halte sich das "Och, sind die süß!" in Grenzen, berichtet der Gitarrist. "Weil wir nicht mehr so süß sind." Und: "Wenn wir spielen, merken die Leute, dass wir keine Teenie-Band sind." Um diesem Ruf vorzubeugen, steht das Alter der Musiker auch nicht mehr auf ihrer aktuellen Webseite. Der Name Van Holzen gefiel ihnen, da "holzen" soviel bedeute wie "einrocken" - und der niederländisch anmutende Präfix "das bissle interessanter macht". Zum Glück konnten sie bei Facebook beide Bandseiten zusammenlegen, sodass die 900 Rockfish-Fans umgehend über die erfolgte Reinkarnation informiert wurden.

Ihre Ferien verbringen Flo, Joni und Dani derzeit im Proberaum beim Schreiben und Aufnehmen neuer Songs. Vor drei Wochen machten sie einen weiteren Schritt in Richtung Profi-Karriere. Nachdem Van Holzen gleich von zwei PopCamp-Dozenten, Tobias "Bobbes" Schmid von der Ulmer Popbastion und Ex-Jupiter-Jones-Frontmann Nicholas Müller, vorgeschlagen worden war, wurde die Band für den "Meisterkurs für Populäre Musik" des Deutschen Musikrats ausgewählt. Dazu geht es im September für eine Woche nach Trossingen. Um mit von ihnen selbst vorgeschlagenen Lehrern weiter an Songs, am Set und am Auftreten zu feilen.

Zuvor aber ist Van Holzen live am 21. Juni beim Play Live Festival im Stuttgarter LKA zu sehen.

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