Ulm Raubzug zum "Stress-Abbau"

HANS-ULI MAYER 06.08.2012
Vier junge Männer waren auf Raubzug in Ulm, um andere Personen "abzuziehen". "Ich wollte Stress machen, weil ich selber Stress hatte", sagte einer. Jetzt sind sie zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Der 18. Februar war kein guter Tag im Leben von vier Freunden aus Senden, Elchingen und Langenau - und kein guter Tag für die Sicherheit Ulms, wie ein Richter am Landgericht sagte. Denn an jenem Abend haben sich die Kumpel in Ulm getroffen, um ein wenig rumzuhängen, so, wie sie es öfter tun. Doch diese Nacht entwickelte sich anders. In dieser Nacht schwang sich das Quartett zu einem Raubzug durch die Stadt auf. Am Ende waren vier Passanten die Opfer. "Ich wollte Stress machen, weil ich selber Stress hatte", sagte ein 19-Jähriger vor Gericht lapidar, der als Anführer der Gruppe besonders aggressiv zu Werke gegangen war. Tage zuvor hatte er nach langer Zeit wieder seinen Stiefvater getroffen, da sei ihm die ganze Kindheit vor Augen gekommen, in der es viel Gewalt gegeben habe. Darüber sprechen konnte er mit niemandem, "ich konnte mich einfach nicht mehr kontrollieren".

Die erste Tat in jener Nacht spielte sich gegen halb elf Uhr ab, als der 19-Jährige in der Webergasse in der Stadtmitte einen Passanten stellte und ihn aufforderte, ihm seine Wertsachen zu geben. Der Täter drückte den Fußgänger gegen eine Hauswand und nahm ihm die Jacke ab, obwohl er dafür überhaupt keine Verwendung hatte. Danach betranken sich die vier Freunde - angeklagt waren nur drei, der vierte wird anderweitig verfolgt - in ihrem abseits geparkten Wagen.

Eine Flasche Whisky haben sie mal eben so "weggehauen", und dabei weitere Pläne für die Nacht geschmiedet. Unheilvolle Pläne, wie zwei weitere völlig unbeteiligte Passanten zu spüren bekamen. Das war dann schon nach 1 Uhr morgens in der Unterführung an der Neuen Straße, als wieder der 19-Jährige zwei junge Männer stellte und sie mit einem Messer bedrohte.

"Ich war wütend. Ich kochte", rechtfertigte er jetzt vor Gericht sein Auftreten, und er wollte die zwei Fremden "erniedrigen". Es setzte Schläge und Tritte mit schlimmen Folgen für eines der Opfer: Der Mann beklagt seither ein Augenleiden und sieht in einem bestimmten Winkel Doppelbilder. Die Beute bestand aus einem Handy und Geld, wobei es den Schlägern nicht auf die Beute angekommen war.

Geld haben sie auch eine Stunde später gefordert - aber auch da war es ihnen nicht wirklich ums Geld gegangen. Das war in der öffentlichen Toilette am Bordell in der Blaubeurer Straße, und als der 19-Jährige einen älteren Mann sah, zückte er - angewidert davon, dass "so einer in den Puff geht" - wieder sein Messer und bedrohte den Mann, der Platzwunden an Nase und Augen davontrug. "Ich bin normal nicht so der Typ, der ins Bordell geht. Wir wollten uns einfach nur ein bisschen umschauen", sagte er vor Gericht.

Sich bei ihren Opfern zu entschuldigen fiel den drei Angeklagten sichtbar schwer. Mühevoll baten sie um Verzeihung und stellten finanzielle Wiedergutmachung in Aussicht. Der Anwalt eines der Angeklagten überreichte dem Opfer im Gerichtssaal 150 Euro Schmerzensgeld. Ein anderer Angeklagter ließ über seinen Anwalt einen Scheck über 1500 Euro übergeben.

Das Gericht ließ Milde walten und verhängte in einem Fall ein Jahr und acht Monate Haft und im zweiten zwei Jahre Haft. In beiden Fällen wird nach einer Vorbewährung von fünf Monaten entschieden, ob die Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden. Beim dritten dauert diese Zeit zwei Jahre, dann erst wird entschieden, ob es überhaupt noch eine Strafe gibt.