Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt: In den frühen Morgenstunden des 6. Januar 2018 war ein damals 39-jähriger Georgier gemeinsam mit zwei Komplizen in ein Reihenhaus am Ulmer Eselsberg eingebrochen. Die Täter schlugen den 59-jährigen Bewohner und knebelten ihn mit Klebeband, obwohl er im Mund blutete. Dadurch bekam er zu wenig Luft und erstickte wenig später.

Die Einbrecher hatten es auf Schmuck und Bargeld, der ebenfalls in dem Haus am Veltlinerweg wohnenden 91-jährigen Mutter des Opfers abgesehen. Von den Wertsachen wussten sie, weil die 46-jährige Ehefrau des Haupttäters die 91-Jährige für die Arbeiterwohlfahrt betreut und so die Wohnung ausspioniert hatte.

Viele Jahre Gefängnis für Täter

Lebenslange Haftstrafe wegen Mordes für ihn, drei Jahre Gefängnis wegen Raubes mit gefährlicher Köperverletzung für sie, diese Urteile verhängte die Schwurkammer des Ulmer Landgerichts am Mittwochnachmittag im Eselsberg-Mordprozess.

Das Gericht ging davon aus, dass der 41-jährige Angeklagte am 6. Januar 2018 gemeinsam mit zwei Mittätern in das Wohnhaus am Veltlinerweg eingebrochen war und zumindest im Haus war, als der 59-jährige Sohn, der sich gegen die Einbrecher wehrte, mit einem Brecheisen brutal niedergeschlagen wurde. DNA-Spuren an einem Klebeband belegten nach der Überzeugung des Gerichts, dass er tatsächlich im Haus war und nicht, wie er stets behauptete, mit seiner Frau in der Nähe in einem Auto wartete. Wegen der brutalen Schläge und der folgenden starken Blutung konnte der Sohn nicht mehr durch die Nase atmen. Weil er sich weiter wehrte, klebten ihm die Täter den Mund zu. Er bekam dadurch keine Luft mehr und starb tagsüber im Krankenhaus. Damit mussten die Täter nach der massiven Verletzung des Mannes rechnen.

Haben Einbrecher mit Widerstand der Opfer gerechnet?

Die Täter mussten davon ausgehen, dass die beiden Hausbewohner durch den Lärm aufwachen würden, weil die Wohnung massiv gesichert war. Nur deshalb mache auch das Klebeband einen Sinn. Für einen „stillen Einbruch“ müsse man nicht Fesselungsmaterial bereithalten, sagte Vorsitzender Richter Michael Lang. Auch spreche die Tatsache, dass die beiden Angeklagten ihre Handys zur Tatzeit abschalteten, dafür, dass auch der aus Georgien stammende Mann im Haus war. Denn sonst hätte das Ehepaar irgendwo entfernt vom Tatort warten können und somit scheinbar ein Alibi gehabt.

Geldnot als Motiv für brutalen Raubmord am Eselsberg in Ulm

Die finanzielle Not des Ehepaares sei ein Motiv für die Frau gewesen, das Haus als Beuteobjekt vorzuschlagen. Sie hatte dort sechs Tage lang für einen Pflegedienst gearbeitet, kannte die Örtlichkeit und wusste, dass wertvoller Schmuck und Geld im Haus waren. Tatsächlich erbeuteten die Einbrecher Schmuck im Wert von rund 10.000 Euro und verkauften einen Teil später in Italien.

Zwei weitere Täter im Ausland im Gefängnis

Die beiden Mittäter des Georgiers, der nun eine lebenslange Haftstrafe absitzen muss, saßen noch nicht mit auf der Anklagebank. Einer befindet sich Israel in Auslieferungshaft. Weil er rechtliche dagegen vorging, wartet die Ulmer Justiz seit mehr als einem Jahr auf ihn. Der zweite Mann sitzt in Georgien in einem Gefängnis – wegen eines Drogendelikts. Zwischen Georgien und der Bundesrepublik gibt es jedoch kein Auslieferungsabkommen, und das Land liefere eigene Landsleute prinzipiell nicht aus, wurde während des ein Jahr dauernden Mammutprozesses immer wieder betont.

Die Bluttat vom 6. Januar 2018 sorgte in Ulm für erhebliche Beunruhigungen. Was soll man tun, wenn man schon nicht mehr im eigenen gut gesicherten Haus sicher ist, fragten sich Ulmer immer wieder.

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