Sanierung Ratiopharm geht unruhigen Zeiten entgegen

Was wird aus dem Standort Ulm/Blaubeuren von Teva/Ratiopharm? Deutschlandchef Christoph Stoller zeigt sich zuversichtlich, aber Details zur Restrukturierung gibt es erst im Januar.
Was wird aus dem Standort Ulm/Blaubeuren von Teva/Ratiopharm? Deutschlandchef Christoph Stoller zeigt sich zuversichtlich, aber Details zur Restrukturierung gibt es erst im Januar. © Foto: Volkmar Könneke
Frank König 16.12.2017
Nach dem von Konzernmutter Teva verkündeten Sparpaket stehen aus Sicht des Managements schwere Entscheidungen an. Die IG BCE kritisiert die Massenentlassungen.

Im Zuge des Sanierungsprogramms beim israelischen Pharmakonzern Teva wird es auch an den deutschen Standorten „Budgetkürzungen, Stellenstreichungen und schwere Entscheidungen geben“. Darauf bereitete das Management  um Christoph Stoller die Mitarbeiter bei Ratiopharm in Ulm/Blaubeuren sowie in Berlin am Freitag schon vor. Teva plant, wie berichtet, weltweit den Abbau von 14.000 Arbeitsplätzen. In dem Brief der Ulmer Geschäftsleitung an die inländische Belegschaft heißt es: „Wir gehen unruhigen Zeiten entgegen, und es liegen große Herausforderungen vor uns.“

Allerdings sei man bei den im Januar 2018 beginnenden Gesprächen in einer guten Verhandlungsposition. Die Pharmaproduktion in Ulm/Blaubeuren läuft demnach in hohem Maße effizient: „2017 waren wir wiederum sehr erfolgreich.“ Das Management stellt gleichwohl die Frage: „Hilft uns das in der jetzigen Situation?“. Stoller und seine Kollegen liefern aber gleich die Antwort mit: „Wir sind der Überzeugung: Ja.“ Bei den Verhandlungen zur Restrukturierung werde man „aufgrund unserer Stärken“ zumindest in einer besseren Verhandlungsposition sein. Vor dem Hintergrund könne die Ratio­pharm-Belegschaft nun die Zeit zwischen den Jahren genießen.

Noch keine konkreten Zahlen

Teva-Deutschland-Chef Stoller betont in dem internen Rundbrief zur Restrukturierung des Konzerns, dass die vom neuen Vorstandsvorsitzenden Kare Schultz am Donnerstag vorgelegten Sparpläne „globale Werte sind und nicht einfach auf einzelne Standorte umgerechnet werden können“. Daher gilt: „Konkrete Zahlen für den Standort Deutschland gibt es derzeit nicht.“

Es gehe nun darum, mit den übergeordneten Instanzen des Konzerns über die Umsetzung der neuen Strukturen zu sprechen. Dabei geht es beispielsweise auch darum, dass Teva die Sparten für patentfreie Medikamente (Generika) und innovative Arzneimittel zusammenführen will. In dem Brief heißt es: „Ziel ist es, dass im Laufe des Januars entsprechende Jahrespläne für 2018 vorliegen. Erst dann werden wir Klarheit darüber haben, welche Restrukurierungsmaßnahmen tatsächlich in Deutschland umgesetzt werden.“ Man muss also abwarten: „Vorher kann es keine Entscheidungen zu Stellenstreichungen in Deutschland geben.“ Außerdem müssten dann alle Schritte mit dem Betriebsrat abgestimmt werden.

„Krasse Fehlentscheidung“

Darauf weist mit Nachdruck auch die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hin. Landesbezirksleiterin Catharina Clay stellt in einem Statement klar, dass der Betriebsrat rechtzeitig einbezogen werden müsse. Sie kritisiert die Absicht des Konzerns, die Betroffenen erst innerhalb von 90 Tagen zu informieren. Clay: „Wir fordern jetzt Klarheit über die künftige strategische Ausrichtung – und nicht erst in drei Monaten.“ Die Gewerkschaft geht auch den Vorstand in Israel an. Die Streichung von einem Viertel der Belegschaft sei schon „die zweite krasse Fehlentscheidung“ des Managements.

Die erste war aus Sicht Clays die als überteuert betrachtete Übernahme des gleichgelagerten Unternehmens Actavis für rund 40 Milliarden US-Dollar. Dafür habe sich der Pharmahersteller hoch verschulden müssen. Clay zitiert in diesem Kontext das „Handelsblatt“, das den Preis für Actavis als überzogen und das Timing für die Übernahme als gründlich misslungen bezeichnete.Clay macht auch darauf aufmerksam, dass Teva am Standort Ulm eine Biotech-Anlage für 500 Millionen Euro baut. Dort sollten bis 2020 rund 300 neue Mitarbeiter komplexe Pharmazeutika herstellen. Daher müsse Teva seine Mitarbeiter halten. Für Clay ist klar: Wenn sie in der Firma keine Zukunft sehen, suchen sie sich woanders einen Job.

Leitartikel zum Thema: Das Zittern hat begonnen.

Drastische Restrukturierung

Sparpaket Der israelische Pharmakonzern Teva hat am Donnerstag ein drastisches Sparpaket verkündet. So will Vorstandschef Kare Schultz die Firma finanziell auf ein sicheres Fundament stellen.

Probleme Der Konzern ist durch schlechte Preise bei Generika, das Auslaufen von US-Patenten und die Übernahme des gleichgelagerten Pharmaherstellers Actavis in Schwierigkeiten geraten.

Jobverluste Daher sollen jährlich drei Milliarden US-Dollar eingespart werden. Teva streicht global 14 000 Stellen, ein Viertel aller Arbeitsplätze. Auch Israel ist stark betroffen. Umsatz:  22 Milliarden.