Unfall mit 200 km/h Raser wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Bei einem schweren Verkehrsunfall starben im Oktober 2017 zwei junge Menschen.
Bei einem schweren Verkehrsunfall starben im Oktober 2017 zwei junge Menschen. © Foto: Rainer Lauschke
Ulm / Patra Laible 18.05.2018
Bei einem schweren Autounfall im Oktober 2017 zwischen Schalkstetten und Amstetten waren zwei Mitfahrer verstorben und ein weiterer schwer verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft hat deswegen gegen den 28 Jahre alten Fahrer Anklage wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen erhoben.

Mit 200 Stundenkilometern ist am Nachmittag des  8. Oktober 2017 ein schwarzer Mercedes AMG über die Kreisstraße zwischen Schalkstetten und Amstetten gerast. Auf der Straße, die wegen mehrerer Kuppen als gefährlich eingestuft wird, gilt Tempo 80 und Überholverbot.

Der 28-jährige Fahrer aus Ulm verlor die Kontrolle über seinen 500 PS starken Wagen, in dem noch drei Mitfahrer saßen. Bei dem Unfall starben seine 24-jährige Freundin und ein 15-Jähriger aus Biberach. Ein 16-Jähriger aus dem Alb-Donau-Kreis erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Der Fahrer selbst dagegen wurde nur leicht verletzt und konnte sich selbst aus dem Wrack befreien. Nun hat die Staatsanwaltschaft Ulm gegen den 28-Jährigen Anklage vor dem Schöffengericht Ulm erhoben: wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen, fahrlässiger Körperverletzung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, teilte Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger gestern mit.

Auf den Nervenkitzel angelegt

Der mutmaßliche Raser hat nach Informationen der Staatsanwaltschaft die gefährliche, ihm bekannte Strecke absichtlich gewählt. Er soll sie auch „Freunden hochmotorisierter Kraftfahrzeuge“ empfohlen haben. Der Beschuldigte soll etwa 200 Stundenkilometer schnell gefahren sein, um seinen Mitfahrern den Nervenkitzel des ‚gefühlten Abhebens’ von den Kuppen zu verschaffen, führte Bischofberger aus. Die Geschwindigkeit ist der Anklagebehörde deshalb bekannt, weil offenbar der 15-jährige Mitfahrer vom Rücksitz aus die Fahrt gefilmt hatte. „Man sieht darauf die Armaturen mit dem Tachometer und der Geschwindigkeitsanzeige“, sagte Bischofberger. Die Aufnahme sei gelaufen „bis zuletzt“, bis der Mercedes auf der Kuppe abhob.

Aus „maßloser Selbstüberschätzung und aus Gleichgültigkeit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern“ habe der 28-Jährige keine Bedenken gegen seine gefährliche Fahrweise aufkommen lassen. Auf der ersten Kuppe habe der getunte Mercedes aufgrund der viel zu hohen Geschwindigkeit  die Bodenhaftung verloren, der Fahrer konnte den Pkw nicht mehr steuern.

Meterhoch in Wald geschanzt

Der Wagen schanzte in einer Höhe von 3,50 Metern in den Wald, vermutlich mit der Dachseite nach unten, gegen drei Bäume, die durch die Wucht des Aufpralls umknickten.  Ein nachfolgender Autofahrer hatte Erste Hilfe geleistet und die Einsatzzentrale alarmiert. Ein Großaufgebot an Rettungskräften war vor Ort.

Die 24-jährige Beifahrerin und der 15-Jährige starben noch am Unfallort. Der 16-Jährige, der hinter dem Beifahrersitz saß, erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen und befand sich tagelang im Koma. Er leide bis heute an den Folgen des Unfalls, erklärte der Oberstaatsanwalt.

Der beschuldigte Fahrer habe über seinen Verteidiger die Vorwürfe eingeräumt. So werde der Prozess sich mit der Frage beschäftigen, was das richtige Strafmaß für ihn ist, sagte Bischofberger. Bei dem Unfall war auch erheblicher Sachschaden entstanden: der völlig zertrümmerte Mercedes AMG war rund 100 000 Euro wert.

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