Stabwechsel Rainer, Hannes, Rudi und Hans

Rainer Juchheim hat den Fraktionsvorsitz der Neu-Ulmer Grünen an Mechthild Destruelle abgegeben.
Rainer Juchheim hat den Fraktionsvorsitz der Neu-Ulmer Grünen an Mechthild Destruelle abgegeben. © Foto: Oliver Schulz
Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka 21.07.2018

Preisfrage: Was hat der alte Grünen-Fraktionschef Rainer Juchheim mit Hannes Wader, Rudi Schuricke und Hans Albers zu tun? Eine ganze Menge, wie die vielen Gäste beim Grünen-Sommerfest und dem Stabwechsel in der Fraktion erfahren haben. Wer Neu-Ulmer Grüner der ersten Stunde ist, wer die Fraktion von Anbeginn aller Zeiten geführt hat, der muss entlarvende Reden über sich ergehen lassen. So geschehen am Donnerstag im Café d’Art.

Dass Rainer Juchheim, der Alt-Linke unter den Grünen, auf Hannes Wader steht, versteht sich von selbst. Und so wünscht er sich, dass am Ende des offiziellen Teils im Café d’Art alle ein Wader-Lied singen: „Leben einzeln und frei, wie ein Baum, und dabei brüderlich wie ein Wald. Diese Sehnsucht ist alt. Sie gibt uns Halt in unserem Kampf gegen Dummheit, den Hass und Gewalt.“ Dazu gibt’s den Text als Absingvorlage. Da stehen sie nun, stimmen alle mehr oder weniger wortgewaltig mit ein, die alten und jungen Grünen, die Sozis und Liberalen und die Freien, auch die Christsozialen. Ja, sogar OB Gerold Noerenberg bewegen zumindest die Lippen.

Von Juchheims Wegbegleitern wie Manfred Bittner aus Elchingen, neben Norbert Wartha einer der launigen Redner an diesem Abend, erfährt die Gästerunde, dass Juchheim beim Plakatieren früher ganz andere Lieder gesungen hat – und das laut und voller Inbrunst: beispielsweise die „Capri Fischer“ von Schnulzengott Rudi Schuricke oder „La Paloma“ von Hans Albers, dem kühlen Blonden aus dem hohen Norden. Da fehlt eigentlich nur noch in Reminiszenz an die guten alten Tage Freddy Quinn mit „So schön war die Zeit“. Merke: Auch Alt-Linke haben mitunter konservative Neigungen.

Juchheim selbst gibt einen kurzen und trockenen Rückblick von sich. Aber wer ihn kennt, der bemerkt: Das Ganze bewegt ihn sehr, den bald 72-Jährigen. So hart ist der Grünen-Altvordere doch nicht. Entsprechend gerührt nimmt er den stehenden Applaus entgegen. Den Fraktionsvorsitz tritt er an Mechthild Destruelle ab. Bis 2020 wird er Stadtrat bleiben. Vieles, so sagt Juchheim, hätten die Grünen angestoßen. Auch die Unterführung unter der Gänstorbrücke, die er zu seinen größten Erfolgen zählt. Wer weiß, vielleicht kommt doch mal einer auf die Idee, sie „Rainer-Juchheim-Unterführung“ zu nennen.

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