Stadtentwicklung Rahmenplan für Bebauung in Gögglingen

Die dörfliche Struktur mit Landwirtschaft ist in Gögglingen noch gut erkennbar.
Die dörfliche Struktur mit Landwirtschaft ist in Gögglingen noch gut erkennbar. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Chirin Kolb 12.01.2019

Gögglingen war mal ein Bauerndorf, als solches 1090 erstmals urkundlich erwähnt. Mittlerweile ist dem Ulmer Ortsteil seine ursprüngliche Prägung weitgehend abhanden gekommen. Viele Höfe sind längst aufgegeben, doch dass es sie mal gab, ist noch gut zu erkennen im Dorfkern an der Bertholdstraße. Die Bauernhäuser, Scheunen und Nebengebäude stehen noch, auch wenn sie seit Jahren anderweitig oder gar nicht mehr genutzt werden. Den alten Charakter erhalten und trotzdem Neues ermöglichen, das ist Ziel eines städtebaulichen Rahmenplans.

Mit der Entwicklung des Plans war das Stuttgarter Büro Steg Stadtentwicklung beauftragt. Bürger diskutierten mit über die Ziele, Grundstückseigentümer wurden befragt, der Ortschaftsrat stimmte im November einhellig zu, und auch die Stadträte beschlossen den Rahmenplan einstimmig. Ein erstes Bauprojekt in der Bertholdstraße 39 steht sogar schon an (siehe Infokasten). Es wird nicht das einzige bleiben. Stadplaner Ulrich Willmann spricht von „verstärktem Interesse“ von Investoren an der Gögglinger Ortsmitte, und Stadtrat Winfried Walter (CDU) meint gar: „Die Bauherren werden sich die Klinke in die Hand geben.“

Mehrere Kriterien

Im Kern geht es beim Rahmenplan darum, die „charakteristische Baustruktur“, wie es die Stadtverwaltung nennt, zu schützen. Zugleich soll aber Neues ermöglicht werden, nur eben „ortsbildverträglich“. Die Neubauten sollen sich einfügen, beliebigen Formen wollen Stadt und Räte einen Riegel vorschieben. Dies auch und gerade im Hinblick auf die Bebauung am Hohen Berg. Was dort – noch vor dem Rahmenplan – entstanden ist, gilt vielen als abschreckendes Beispiel.

Der Rahmenplan steckt, wie der Name schon sagt, den Rahmen für die künftige Entwicklung ab. Er ist nicht so detailliert wie ein Bebauungsplan und macht Vorgaben für:

Bebauung Die baulichen Kriterien umfassen beispielsweise die Positionierung der künftigen Gebäude, maximale First- und Traufhöhe, Giebel, Dachneigung und Geschosszahl.

Nutzung Früher existierten Wohnen und Landwirtschaft nebeneinander. Dieser Mix aus Wohnen und Gewerbe soll erhalten bleiben beziehungsweise ermöglicht werden: durch Handwerk und Dienstleistungen, die sich mit Wohnen vertragen. Bestehende Scheunen zum Beispiel könnten dafür umgebaut werden. Auch bei den Wohnhäusern setzen die Planer auf einen breiten Mix aus Wohnformen. Im Bereich Kirchberger Straße soll die Bedeutung der einstigen Ortsmitte mit Kirche, ehemaligem Rathaus und Schule aufgegriffen werden. Dort soll unter anderem ein Platz für gemeinschaftliche Nutzungen entstehen.

Verkehr Noch nicht endgültig geklärt ist die Frage des Verkehrs in der Bertholdstraße. Dort gibt es schon jetzt einen Interessenskonflikt. Einerseits soll der Verkehr vor allem zu Stoßzeiten ungehindert durch die Ortsmitte fließen. Andererseits wollen Anwohner Parkplätze entlang der Straße. Dieser Konflikt wird sich wohl verschärfen, wenn die Bebauung zunimmt. Der Ortschaftsrat hat deshalb bereits im Juli eine einjährige Testphase beschlossen: von 7 bis 19 Uhr soll ein eingeschränktes Halteverbot gelten, um den Verkehrsfluss zu begünstigen. Ergebnisse des Tests liegen noch nicht vor.

Erste Pläne für Neubebauung

Bertholdstraße 39 Am Grundstück Bertholdstraße 39 gab es einen Eigentümerwechsel. Die neue Eigentümerin hat sich laut Stadtverwaltung bereit erklärt, vor der Neubebauung eine Planungskonkurrenz durchzuführen – also sich genau auf das Verfahren einzulassen, wie es die Stadt wünscht und der Rahmenplan vorsieht.

Bauvorhaben Die Architekturbüros, die am Verfahren teilnehmen, müssen mit ihren Plänen mehrere Anforderungen erfüllen, darunter: Die Bauten müssen sich in die dörfliche Umgebung einfügen und entlang der Bertholdstraße Giebel aufweisen, die Planer müssen den Hof attraktiv gestalten und 30 Prozent der Wohnfläche als Vier-Zimmer-Wohnungen vorsehen.

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