Hochwasserschutz Radweg wegen Deichbau zu

Carolin Stüwe 23.09.2017
Der Bau des Dammes entlang der Friedrichsau beginnt. Fußgänger und Radfahrer werden umgeleitet, und 30 Bäume werden gefällt.

Mist, da ist ja gesperrt“, sagt dieser Tage so mancher Radler auf dem Donauradweg in Höhe Friedrichsau. Denn dort sind auf einer Länge von zwei Kilometern eigentlich schon Fuß- und Radweg gesperrt. Allerdings wurden die Umleitungsschilder noch nicht geliefert, hieß es gestern am Rande der Spatenstichveranstaltung in der Nähe des Donaustegs nach Offenhausen.

„Neu-Ulm hat seinen Hochwasserschutz schon am Ufer gegenüber, jetzt zieht Ulm nach“, sagte Regierungspräsident Klaus Tappeser aus Tübingen vor geladenen Gästen, die genau dort am Ufer standen, wo bereits 1999 die Donau über die Ufer getreten war. Es sei jetzt höchste Zeit, auch die Friedrichsau vor einem 100-jährlichen Hochwasser zu schützen. Jedoch wird dies keine Mauer tun, sondern ein Erddamm, auch Deich genannt.

70 Bäume werden gepflanzt

Der Eingriff müsse vorsichtig geschehen, da die Friedrichsau die Seele Ulms sei, meinte Tappeser. Trotzdem müssen 30 zum Teil schon kranke Bäume gefällt werden, weil ihre Wurzeln dem Dammbau schaden können. Jedoch werden bereits nächstes Jahr 70 neue gepflanzt, versicherte der beauftragte Landschaftsarchitekt Hans Jürgen Baron.

Denn schon im April 2018 soll der knapp zwei Kilometer lange Deich vom SSV Stadion bis zum Abzweig Böfinger Steige fertig sein, damit Messeveranstaltungen wie gewohnt stattfinden können. Während der gesamten Bauzeit ist der Donauradweg gesperrt (siehe Grafik). Bauherr des 1,9 Millionen teuren Erdbauwerks ist das Land, es ist für die Gewässer erster Ordnung verantwortlich. Es übernimmt 900.000 Euro der Gesamtkosten, die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm zahlen  600.000 Euro und die Stadt Ulm 400.000. Die Stadt übernimmt außerdem die Kosten für die seit langem von Bürgern und Stadträten geforderte Beleuchtung entlang des Rad- und Fußwegs.

Den Damm wird die Ulmer Firma Geiger & Schüle Bau so nah wie möglich an der Donau aufschütten: im Süden 90 Zentimeter hoch, in der Mitte bis zu 1,50 Meter hoch und Richtung Wasserkraftwerk 60 Zentimeter hoch. Würde man den Damm weiter hineinbauen ins abfallende Friedrichsau-Gelände, würden die Deiche bis zu drei Meter hoch.

Das Fort als natürlicher Schutz

„Wir werden 20.000 Tonnen Erdmaterial benötigen“, sagte Geschäftsführer Rolf Mezger auf Anfrage. Die Erde fällt in Baugruben für Privathäuser an oder an den Baustellen für die Linie 2. In Richtung Au und Gänswiese sollen die Deichwände jedoch flach auslaufen, um bestmöglich in die vorhandene Topographie integriert zu werden. Dort, wo das Gelände aufgrund des Forts Friedrichsau ohnehin ansteigt, erübrigt sich eine Erdaufschüttung.

„Es ist ein Lückenschluss im Hochwasserschutz, über den wir uns freuen“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. Denn die Altstadt sei bereits geschützt. Ausnahmsweise sei er froh über den Besuch aus Tübingen. Denn: „Wir freuen uns nicht immer, wenn das Regierungspräsidium kommt“, scherzte er.