Verkehr Radfahrer ärgern sich über Umlaufsperren am Allgäuer Ring

Hindernisparcours am Allgäuer Ring: Für Radfahrer gibt es auf dem Radweg kaum mehr ein Durchkommen.
Hindernisparcours am Allgäuer Ring: Für Radfahrer gibt es auf dem Radweg kaum mehr ein Durchkommen. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Chirin Kolb 04.05.2017
Die Stadt Neu-Ulm will mehr Sicherheit am Allgäuer Ring und hat deshalb Umlaufsperren eingebaut, um Radler zu bremsen. Manche kommen aber gar nicht mehr durch.

Über die Stadt Neu-Ulm bricht gerade das herein, was man neudeutsch einen Shitstorm nennt. Verärgerte Radfahrer schimpfen, weil sie sich am Allgäuer Ring ausgebremst fühlen. Wer sich eine Weile am Kreisverkehr aufhält und mit Radlern spricht, hört Worte wie „Blödsinn“, „Quatsch“, „Schikane“ oder „hirnrissig“. Gemeint sind die so genannten Umlaufsperren, die die Stadtverwaltung auf dem Geh- und Radweg im Osten und Westen des Kreisverkehrs montieren ließ, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Wer auf die rot-weiß-gestreiften Umlaufsperren zufährt, hält den Radweg im ersten Moment für komplett gesperrt. Der zweite Blick offenbart Lücken, durch die sich die Radler durchschlängeln müssen. Weil manche sich an der engen Durchfahrt aber unsicher fühlen, steigen sie ab und schieben ihr Rad. Damit keiner auf die Grünstreifen ausweicht und die Umlaufsperren so umfährt, wurden entlang der Büsche auch noch Stangen angebracht.

Es gibt aber einige Radler, die gar nicht mehr durchkommen. Die nämlich, die einen Anhänger hinter sich her ziehen. Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern im Anhänger hat sich deshalb bei der Stadt beschwert. Die Antwort, die sie nach ihren Worten bekommen hat, empört sie aber fast noch mehr als die verhinderte Durchfahrt. „Dann fahren Sie doch woanders“, habe der Mitarbeiter der Stadtverwaltung ihr empfohlen.

Fachbereichsleiter Tobias Frieß hält diesen Rat für gar nicht so verkehrt. „Der Allgäuer Ring ist ein Unfallschwerpunkt“, sagt er. „Die Frage ist schon, ob man ihn mit kleinen Kindern nicht besser meidet.“ Zumal es nur ein paar hundert Meter entfernt sichere Überwege über die Ring­straße gebe: die Brücke an der Ringstraße im Osten, den Überweg mit Ampel am Wiblinger Steig im Westen.

Stadt prüft Veränderungen

Frieß weiß, dass viele Radfahrer sich ärgern über die Umlaufsperren. Es gebe aber auch positive Rückmeldungen, sagt er: Radler, die es zu schätzen wüssten, dass die Stadt für mehr Sicherheit sorgen will. Denn schließlich gehe es nicht darum, Radler zu behindern oder mutwillig zu ärgern, sondern um Sicherheit. „Dadurch kommt es nun zu einer Einschränkung der Bequemlichkeit.“

Es sei durchaus Sinn der Umlaufsperren, Radler zu bremsen. Sie sollen nicht mehr in voller Fahrt die Fahrbahn überqueren – zumal ohnehin Autos Vorfahrt haben. Ein Hauptgrund für Unfälle sei es, dass Radfahrer die Vorfahrt missachten, sagt Frieß. Je schneller sie unterwegs sind, um so gravierender könnten die Folgen bei einem Zusammenstoß sein.

Die Umlaufsperren seien aber nur eine Interimslösung, betont Frieß, sie werden nicht dauerhaft bleiben. Die Verwaltung arbeitet im Auftrag des Stadtrats gerade an drei Varianten, wie der Allgäuer Ring umgebaut und damit sicherer werden soll. Welche Variante verwirklicht wird, müssen die Stadträte dann voraussichtlich nach der Sommerpause entscheiden.

Die Stadt nehme die Kritik der Radler mit Anhänger ernst. „Wir schauen uns das nochmal an und justieren gegebenenfalls nach.“ Veränderungen an den Umlaufsperren dürften aber nicht dazu führen, dass die Sicherheit darunter leide.

Der Kreisverkehr ist ein Unfallschwerpunkt

Verletzte Der Allgäuer Ring ist vor allem für Radfahrer gefährlich. Immer wieder gibt es Unfälle mit Radlern. Im vergangenen Jahr waren es an der Stelle 26 Unfälle, davon 16 mit Verletzten. Unter den Verletzten wiederum waren neun Radfahrer. Ein Radler kam sogar zu Tode. Auch in den vergangenen Jahren sahen die Zahlen nicht besser aus. 2015 waren es 28 Unfälle, 2014 22, 2013 29 und 2012 17.

Umbauten Die Stadt Neu-Ulm hat schon viele Versuche unternommen, den Kreisverkehr sicherer zu machen, hat zum Beispiel die Vorfahrtsregeln mehrmals geändert und die Zufahrten verengt. Weil alles letztlich nichts brachte, soll nun eine große Lösung her, an der die Verwaltung noch tüftelt.