„Diese Vorfälle machen nachdenklich: Der Täter war in Begleitung mehrerer Menschen, die nicht eingegriffen haben.“ So reagiert Rabbiner Shneur Trebnik auf die Fälle von Vandalismus an der Synagoge, die an den vergangenen Wochenenden geschahen.

An zwei aufeinanderfolgenden frühen Samstagen hatte jeweils ein Mann das jüdische Gotteshaus traktiert. Die Polizei ermittelt, ob es sich um den selben Täter handelt. Das erste Mal hatte er gegen 2.30 Uhr einen mitgebrachten Metallpfosten gegen eine Stelle links vom Eingang geschlagen. Am vergangenen Samstag trat der Täter gegen 1.30 Uhr mit dem Fuß gegen die beschädigte Stelle, ließ ab, als Passanten vorbeikamen, und kehrte gegen 5 Uhr zurück, um wieder zuzutreten. Dann brach die Kalksteinplatte. Der Sachschaden beträgt einige tausend Euro.

Videoaufzeichnungen der Synagoge erlauben eine Beschreibung des Gewalttäters: Beim ersten Mal war er etwa 30 Jahre alt, 1,80 Meter, sportliche Figur, dunkelhaarig mit Vollbart und zwei auffälligen kurzen Zöpfen. Er trug ein grünes Blouson und ein T-Shirt mit dem Aufdruck „81“. Beim zweiten Mal hatte der Täter eine orangene Jacke mit blauen Ärmeln, schwarze Hose und weiße Schuhe an.

Bei allen Vorfällen war der Täter in Begleitung von mal drei, mal zwei, mal sechs jungen Männern. Ist ein antisemitischer oder rassistischer Hintergrund denkbar? Oder gar in Richtung gewaltbereiter Rocker? Polizeisprecher Wolfgang Jürgens: „Aus dem, was wir bislang wissen, lässt sich kein Hinweis in eine Richtung erkennen.“ Zeugen können sich unter Tel. (0731) 18 80 melden.

Der Ulmer Rat der Religionen verurteilt die Beschädigungen „aufs Schärfste“ und bittet „alle Bürger, jeglicher Form des Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten“. Der Rat sei überzeugt, dass die Attacken bewusst dem jüdischen Leben in Ulm als Ganzem galten, sagte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl.