Ulm Pulsierende Körper im Netz der Beziehungen

Tänzer der Strado Compagnia begeistern durch ihre Präzision.
Tänzer der Strado Compagnia begeistern durch ihre Präzision. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / CHRISTA KANAND 01.08.2015
Die neue Produktion der Strado Compagnia Danza hat Chancen, zum Publikumsrenner zu werden: Domenico Strazzeri zeigt seine Choreografie "Acht" dabei nach Martina Brey de La Bontés "A Drop in a Cloud".

Ulm schwingt das Tanzbein. Zu Tango Argentino aus der Konserve beleben dutzende Paare am Donnerstagabend den Münsterplatz vor dem Stadthaus-Café. Drinnen, ein Stockwerk höher, fasziniert in bewährter Kooperation mit dem Stadthaus Domenico Strazzeris Strado Compagnia Danza mit Tanzkunst auf hohem Niveau. Vier Tänzer meistern zur Live-Musik von Sounddesigner Florian Lipphardt (Klavier, Elektronik) und Joao Hoyler Correira (Gitarre, Schlagwerk) im choreografischen Doppelschlag die stürmisch gefeierte Tanzperformance "Acht": originell, kreativ, ästhetisch.

Die Zahl Acht, die in vielen Kulturkreisen als Glückszahl gilt und liegend die Unendlichkeit symbolisiert, inspirierte Compagniechef Strazzeri zu seiner neuen Produktion. Seine psychologisch tiefgründige Interpretation des Themas hat das Zeug zum Publikumsrenner. Erstmals zum Festival "Ulm Moves!" im Theater Ulm gezeigt, wurde die Choreografie nun für den ausverkauften Stadthaus-Saal adaptiert, wo das Publikum dicht am Bühnengeschehen jedes Muskel- und Minenspiel der durchtrainierten Körper atemlos verfolgte. Acht Mal wird "Acht" dort aufgeführt.

Die erfahrenen Tänzer Marcella Centenero, Ines Meißner, Christina Zaraklani und Daniele Ricci übersetzen menschliche Gefühle in Gruppenszenen und solistische Partien, bieten ein Höchstmaß an Präzision - zwischen Modern Dance und Dancefloor. Katrin Sawatzkis weiße Kostüme kontrastieren mit Katrin Schwagers Bühne in puristischem Schwarz. Stilbestimmendes Element sind elastische Kostüm-Ärmel, die sich scheinbar unendlich dehnen lassen. Mal vernetzen sich die Akteure in geometrischen Figuren, bei denen auch die liegende Acht als Symbol der Unendlichkeit erscheint, mal fesseln sie einander. Sie werden zu Krabbeltieren oder zum Vishnu-ähnlichen Wesen mit acht Armen. Sich umeinanderdrehen, umschlingen, kreiseln und auflösen - dargeboten mit fast artistischem Können - wird hier unter Klaus Welz' Lichtregie optisch reizvoll ins Mystische übersetzt.

Als Gastchoreografin für diesen Abend hatte Strazzeri Martina Brey de La Bonté eingeladen, deren Tanzkarriere in Ulm begann und die wie er heute international arbeitet. Ihr "Drop in a Cloud" im ersten Teil zeigt in gruppendynamischen Prozessen eine große Gefühlspalette: fürsorgliche Harmonie, weibliche Unterwerfung, mobbende Ausgrenzung. Kampf bis hin zum Mord.

Ein Handlungsgerüst weist die zweiteilige Performance nicht auf. Sie ist offen für Assoziationen - und erntet lautstarken Premierenapplaus.

Info Weitere Vorstellungen: Am Sonntag, und Donnerstag bis Sonntag, jeweils 20 Uhr. Karten im Stadthaus, Ebene 3, bei SWU traffiti und unter Tel. (0172) 677 99 84.

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