Während Lady Gaga sichtlich ergriffen die letzten Töne der amerikanischen Hymne schmettert, fliegt eine Formation von Jets über das Levi's Stadium in Santa Clara bei San Francisco. Auf der Leinwand erscheinen Gesichter in Großaufnahme von beeindruckten Zuschauern und Spielern. Auf der hiesigen Seite der Weltkugel, in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm ist man von Frau Gaga und den Düsenjets weniger beeindruckt. Vereinzelt versuchen Zuschauer ihr Gähnen hinter großen Bierbechern zu verstecken. Mitten in der Nacht haben etwa 700 Fans das 50. Finale der US-amerikanischen American-Football-Profiliga National Football League (NFL) angeschaut. 
 
 

Der 19-jährige Robin Gabel und der 29-jährige Tobias Baumeister sind mit ihrer Clique da. „Wir sind Semiprofis“, sagt Gabel. Er schaue eher unregelmäßig Football, habe am nächsten Tag aber zufällig frei und hat sich deshalb entschlossen, dem „Gruppenzwang nachzugeben“. Baumeister nimmt das Fandasein ernster. „Ich bin ganz klar für Carolina“, sagt der 29-Jährige und klopft dabei dreimal auf den Holztisch vor sich.

Mit dem Abschluss des Vorprogramms und Anpfiff des Spiels schwindet aber auch in Neu-Ulm die Müdigkeit. Für jedes erlangte Yard wird geklatscht; wer keine Football-Regeln kennt, kann allein an den Reaktionen erkennen, ob die Spieler eben zu beklatschen oder auszubuhen sind. 

Für echte Football-Fans wie die 47-jährige Birgit Mangold ist das kein Problem. Sie kennt fast alle Regeln. Football ist ihr noch wichtiger als die Fußball-WM. Dieser Aussage kann ihr Mann Udo, der neben ihr sitzt, zwar nicht zustimmen, trotzdem genießen die beiden das Spiel in dem „Wohnzimmer der Ratiopharm-Arena“. Für den nächsten Tag hat sich die 47-Jährige frei genommen.

Das gehört zum Super-Bowl-Fest dazu: Pommes, Burger und Muffins nachts und am nächsten Tag schläft die Fangemeinde fast gesammelt aus. „Der Tag nach dem Super-Bowl ist frei“, erklärt Daniel Koch, Mit-Organisator und Headcoach der Neu-Ulmer Footballer Spartans. Auch seine Mannschaft, die größtenteils vor Ort ist, wird am nächsten Morgen wohl gesammelt das Aufstehen verweigern. Vielleicht gäbe es ja den einen oder anderen, der sich zur Arbeit schleift, mutmaßt Koch, die meisten seiner Spieler seien aber Studenten. Für eine Nacht Super-Bowl könne ruhig mal ein Tag Uni ein bisschen zurückstecken. Den gibt es schließlich nur einmal im Jahr. 

Im vergangenen Jahr haben die Neu-Ulmer Spartans erstmals ein Rahmen-Programm zu dem Football-Finale in der Ratiopharm-Arena geschaffen. Etwa 650 Leute seien es da gewesen, erzählt Koch. Heuer schätzt er die Anzahl der Besucher auf etwa 700. Inklusive natürlich dem größten Teil seines Teams. Etwa 50 Neu-Ulmer Spartans sitzen auf den Rängen neben Frauen, Männern und sogar einigen Kindern. 

Verständlich ist das auf jeden Fall für Klaus Weiß, den Abteilungsleiter der Neu-Ulm Spartans, der das Football-Feeling, das in letzter Zeit in Deutschland herrscht, auch in der Ratiopharm-Arena vermitteln möchte. Inklusive etwas Werbung für die Spartans, versteht sich.

Zur Halbzeit, etwa um drei Uhr nachts, stehen im Foyer die drei Studenten Luca Kallenberger, Oliver Spengler und Felix Lück zusammen. Sie genießen, das „amerikanische Burger-Feeling“. Dazu passend gibt es das „Cinderella-Märchen“, wie die TV-Moderatoren das Spiel bezeichnen. Quarterback Peyton Manning, gewinnt mit den Denver Broncos unerwartet gegen die Carolina Panthers und damit auch Cameron Newton. „Das Spiel ist spannender als erwartet“, sagt Luca Kallenberger. 

Müdigkeit schleicht sich zwar ab und an trotzdem ein. Aber „da hilft Cola und Red Bull“, sagt der 20-jährige Spengler.