Ein Psychologe ohne Couch – das geht. Sagte Prof. Klaus Melchers, Leiter des Instituts für Psychologie und Pädagogik. Er vermisse die Couch lediglich nach dem Mittagessen. Was aber nicht geht: das Fach Psychologie ohne psychotherapeutische Hochschulambulanz. „Für die Lehre brauchen wir echte Patienten, nicht nur Lehrbuchfälle.“ Und sein Kollege Harald Baumeister, Leiter der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, pflichtete ihm bei; um Bachelor- und Masterstudenten auszubilden, sei eine Ambulanz unabdingbar, „das ist wie in der Humanmedizin. Dort findet auch Versorgung und Lehre am Bett statt.“

38 von 43 deutschen Universitäten, die das Fach Psychologie anbieten, haben eine entsprechende Ambulanz. Die Uni Ulm ist jetzt die 39. Hochschule, „zur Profilbildung gehört das einfach dazu“, sagte Uni-Präsident Michael Weber anlässlich der Feier in den Räumlichkeiten der Hochschulambulanz in der Schaffnerstraße 3. Die neugeschaffene Einrichtung, für die die Uni-Leitung eine Anschubfinanzierung in Höhe von 150.000 bis 200.000 Euro geleistet hat, sei sowohl ein Gewinn für die Versorgung der Patienten („sie warten sechs bis sieben Monate auf eine Therapie“) als auch für Forschung und Lehre, sagte Weber.

Wie wichtig Hilfe, auch und gerade schnelle Hilfe, ist, machte Prof. Iris-Tatjana Kolassa deutlich. Fast die Hälfte der Menschen leidet einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung, an Angststörungen und Depressionen, an Traumata und Belastungsstörungen oder Essstörungen. Wie die Forschung gezeigt habe, gehe eine Nicht-Behandlung dieser Erkrankungen mit einer vorzeitigen Alterung des Immunsystems einher. Deshalb sei eine schnelle Versorgung anzeigt, sagte Kolassa. „Psychotherapie ist effektiv, kostengünstig, nachhaltig. Nachhaltiger als Psychopharmaka, weil sie an die Ursache geht.“

Schwerpunkte der Behandlung sind Depressionen, traumatische Belastungsstörungen, anhaltende Trauerstörungen und Essstörungen, sagte Dr. Roberto Rojas. Er hat die universitäre Einrichtung aufgebaut und leitet sie seit der inoffiziellen Eröffnung im April dieses Jahres. Die Patienten – derzeit 41an der Zahl – sind Erwachsene, sie werden in Einzeltherapie behandelt mit dem verhaltenstherapeutischen Ansatz. „Unser Anspruch ist die bestmögliche Behandlung.“

Übrigens: Prof. Horst Kächele, ehemaliger Direktor der Uni-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, war auch geladen. Er verfolgte interessiert die Ausführungen der jungen Psychologen-Generation. Nur in einem Punkt hat er innerlich mit Sicherheit widersprochen: Kächele ohne Couch – das geht nicht. Aber er ist auch Psychoanalytiker.

Info Wer sich über die Angebote der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz (PHSA) informieren will, wer die Empfehlung erhalten hat, eine ambulante Psychotherapie zu beginnen, wer das Gefühl hat, eine psychotherapeutische Unterstützung zu benötigen, kann sich während der Sprechzeiten (Di bis Do 15 bis 17 Uhr) an die Hochschulambulanz wenden unter Tel. (0731) 55 21 98 63.