Ulm Prozess: Schüsse am Bordell nur ein Vorfall unter vielen

Schüsse am Bordell nur ein Vorfall unter vielen.
Schüsse am Bordell nur ein Vorfall unter vielen. © Foto: dpa
Ulm / CHIRIN KOLB 31.05.2014

In welchem Milieu der Prozess vor der 2. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ulm spielt, lässt sich schon außerhalb des Gerichtssaals erkennen. Viel Polizei, strenge Sicherheitskontrollen, Ausweis vorzeigen, abtasten. Das Publikum ist zahlreich und fast ausschließlich männlich, muskelbepackt und tätowiert. Einer schiebt die Ärmel seines Sweatshirts hoch, an den Unterarmen prangt in dicken Lettern ein Schriftzug: Black Jackets.

Ein Mitglied der rockerähnlichen Gruppierung ist wegen versuchten Mordes angeklagt. Der 25-Jährige soll in der Nacht zum 23. Februar vergangenen Jahres vor einem Bordell in der Blaubeurer Straße auf eine Gruppe von Männern geschossen haben, die dem inzwischen verbotenen Verein Red Legion angehört haben. Sie sollen für eine gezielte Provokation aus Stuttgart nach Ulm gereist sein und in der Blaubeurer Straße vor dem "Lustpark", dem Machtbereich der Black Jackets, für ein Foto posiert haben.

Der Kampf um Macht und Territorien tobte da schon seit Monaten. Black Jackets und Red Legion bekriegten sich an vielen Orten in Baden-Württemberg: in Stuttgart, Reutlingen, Markgröningen, Ludwigsburg, um nur einige zu nennen. Immer wieder kam es zu schweren Auseinandersetzungen, zu Schlägereien und Messerstechereien, wie sie das Gericht unter Vorsitz von Gerd Gugenhan auflistete. Der Höhepunkt des Rockerkrieges forderte in Esslingen ein Todesopfer.

An jenem Abend kurz vor Weihnachten 2012 hatten sich mehr als 20 Red-Legion-Mitglieder vor einer Esslinger Bar aufgebaut. In der Bar saßen einige Black Jackets beim Bier - und hätten dort nicht sitzen sollen, denn die Bar gehörte zum Einflussbereich der Red Legion. Die fassten das erwartungsgemäß als Übergriff auf, lotsten die Black Jackets vor die Tür und gingen auf sie los. Am Ende war ein Black-Jackets-Mitglied tot: Einer der zahlreichen Messerstiche war in seine Herzkammer eingedrungen.

Gewalt, Macht, Bedrohung und Rache - das sind nach Überzeugung des baden-württembergischen Innenministeriums die Kennzeichen der Red Legion. Das Innenministerium hat den Verein am 22. Mai 2013 verboten, weil er die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht nur gefährde, sondern angesichts der Vielzahl an Straftaten auch tatsächlich beeinträchtige.

Das Ministerium hatte sich eingehend mit der Satzung des Vereins befasst und war, wie Richter Gugenhan vorlas, zu dem Schluss gekommen, dass Gewalt, Einschüchterung und Rache zentrale Elemente der Red Legion waren. Sie sei streng hierarchisch organisiert gewesen, "Verrat wird niemals geduldet", stand in der Satzung. Rache wurde groß geschrieben: "Gott vergibt Dir, wir nicht", hieß es. Kraft- und Kampfsport waren für die Mitglieder eine Pflicht, deren Einhaltung auch kontrolliert wurde. Als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit trugen Mitglieder der Red Legion ein schwarzes T-Shirt oder Kapuzenshirt mit den Initialen RL auf der linken Brust, einem aufgedruckten Gorilla-Kopf oder Schriftzügen wie "Held oder Tod" in kurdischer Sprache.

In dem landesweit tobenden Machtkampf zwischen Black Jackets und Red Legion soll auch der Vorfall in der Blaubeurer Straße eine Rolle spielen. Der Prozess wird am nächsten Freitag fortgesetzt.

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