Ulm Protokollchefin Sabine Gauß: Dresscode zur Schwörfeier

CHIRIN KOLB 16.07.2016
Der Knigge ist streng, Sabine Gauß nicht ganz so sehr. Doch zur Schwörfeier legt sie Wert auf angemessene Kleidung der Gäste. Was geht und was nicht: ein Überblick.

Die gelbe Einladungskarte ist etwas Besonderes. Wer sie erhält, gehört bei der Schwörfeier auf dem Weinhof zu den Ehrengästen der Stadt. Zumindest: Für ihn oder sie ist in einer der vorderen Sitzreihen namentlich ein Platz reserviert. Auch der Dresscode ist angegeben: „Straßenanzug“ steht auf der Karte.

Für Männer heißt das: dunkler Anzug in Blau, Grau oder Schwarz, einfarbiges, allenfalls dezent gemustertes Hemd, und natürlich Krawatte, auch sie dezent oder klassisch gemustert. Dazu gehören Lederschuhe in guter Qualität und dunklen Farben sowie ein farblich passender Gürtel. Und Socken natürlich, am besten welche, die zu den Schuhen passen und beim Sitzen kein Bein sehen lassen.

Der Dresscode „Straßenanzug“ gilt freilich nicht nur für Männer, sondern schreibt auch die Kleidung der Frauen vor. Da gilt ebenso: dunkle Farben, schlichte Eleganz, dezenter Schmuck, Kostüm oder Hosenanzug. Der Saum der Röcke darf nicht zu kurz sein – gerade auch beim Sitzen nicht.

Der offizielle Dresscode ist ganz schön streng. Und jeder, der bei Schwörfeiern schon seinen Blick über die vorderen Sitzreihen schweifen ließ, weiß: Nicht jeder Gast hält sich daran.

Kleine Abweichungen findet Sabine Gauß in Ordnung. Die Leiterin der Zentralen Dienste der Stadt Ulm ist so etwas wie die oberste Protokollchefin an Schwörmontag. „Die Kleiderordnung wird generell legerer“, sagt sie. Ein Beispiel: bei offiziellen Anlässen wie der Schwörfeier gehören Frauenbeine in Strümpfe oder Strumpfhosen. „Das tragen immer weniger Frauen“, sagt Sabine Gauß. Manche auch deswegen, weil der Ulmer Stadtfeiertag im Hochsommer liegt und es oft sehr heiß ist.

Gerade auf dem Weinhof sticht die Sonne unbarmherzig auf die Gäste herab. Ein ebenso elegantes wie schützendes Accessoire ist dann der Hut, meint Sabine Gauß. Er liegt im Trend. Trug einst nur FWG-Stadträtin Helga Malischewski Hut, treten seit ein paar Jahren immer mehr Frauen bei der Schwörfeier gut behütet auf. Selbst einige Männer. Im vergangenen Jahr zum Beispiel schmückte bei sengender Sonne ein Strohhut das Haupt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Gedeckte Töne und Uni-Stoffe scheinen vielen Frauen offenbar zu fad.  Jedenfalls sind bei der Schwörfeier bunte Farben und teils wilde Muster zu sehen, bisweilen auch Roben, die einem Kostümfundus entliehen scheinen. Sabine Gauß enthält sich jeden Kommentars. Nur so viel: „Es ist wie im richtigen Leben. Die Geschmäcker sind verschieden.“ 

Gerade Stadträtinnen greifen am Stadtfeiertag gern zu den Ulmer Stadtfarben schwarz und weiß. Eine elegante, klassische Kombination, findet Sabine Gauß. Und eine, die trotz der Reduzierung auf zwei Farben eine ganze Reihe unterschiedlicher Spielarten zulässt.

Egal ob bunt oder schwarz-weiß, gemustert oder uni, viel wichtiger ist Sabine Gauß, dass die Gäste dem Anlass entsprechend gekleidet sind. „Es ist der Ulmer Stadtfeiertag, ein würdevoller Anlass, an dem der Oberbürgermeister Rechenschaft ablegt und seinen Schwur leistet. Sich dafür passend zu kleiden,  gehört dazu.“ Dass darunter keine Jeans, Turnschuhe oder schlabberige Sakkos gehören, ist für Sabine Gauß eine Selbstverständlichkeit. Der Großteil der Gäste sei aber passend zum Anlass gekleidet. Sie ist zuversichtlich: Wer zur Schwörfeier eingeladen wird, weiß, was sich gehört.

Als Anschauungsobjekt hat sie einen beigefarbenen Hosenanzug mit seidig glänzendem Top in ihr Büro ins Rathaus mitgebracht – eine Kombination, die sie gern bei offiziellen Anlässen trägt. An Schwörmontag aber wird sie sich wahrscheinlich für ein Kleid entscheiden.

An die Schuhe der Damen legt der offizielle Dresscode ebenfalls strenge Kriterien an. Der Absatz darf nicht zu hoch sein, und geschlossene Schuhe sind Pflicht. Na ja, meint Sabine Gauß. Ganz so eng sieht sie das nicht, „die Ferse darf offen sein“.

Sicher, ein gewisses Schaulaufen ist die Schwörfeier schon, meint sie. Dass die Frauen sich wochenlang vorbereiten auf diesen Termin, Diät halten oder sich mit Sport in Form bringen, glaubt Sabine Gauß nicht. „Dafür ist vor Schwörmontag immer viel zu viel zu tun.“ Gerade für die Stadträte. Vor der sommerlichen Sitzungspause wachsen die Tagesordnungen ins schier Unermessliche.

Nach der Schwörfeier spazieren die geladenen Gäste vom Weinhof zum Empfang ins Rathaus hinüber. Für den Empfang gelten selbstverständlich die selben Kleidungsregeln wie für die Schwörfeier. Danach ist aber für viele der Gäste Umziehen angesagt. Das feine Tuch wird getauscht gegen legere Kleidung, bevor es zum Nabada auf die Schachtel geht. „Da muss man es in Kauf nehmen, dass man nass wird“, sagt Sabine Gauß, und das muss man dem feinen Anzug oder dem eleganten Kleid ja nicht zumuten.