Ulm Projekt gegen Kontrastmittel in Grundwasser

Ulm / IGOR STEINLE 02.10.2015
Arzneimittelrückstände im Grundwasser nehmen zu. Um dem entgegenzuwirken, startet das Fraunhofer-Institut eine Pilotstudie in Ulm.

350 Tonnen Kontrastmittel werden in Deutschlands Kliniken jährlich verbraucht. 70 Prozent davon landen im Grundwasser, schätzt Dr. Jutta Niederste-Hollenberg vom Fraunhofer-Institut. Um die Öffentlichkeit für diese Problematik zu sensibilisieren, startet das Fraunhofer-Institut ab dem 15. Oktober ein Pilotprojekt zur Reduktion der Gewässerbelastung durch Arzneimittel, kurz: "MindER" (Minderung des Eintrags von Röntgenkontrastmitteln in die Umwelt). Mit der Universitätsklinik, dem Bundeswehrkrankenhaus und der Radiologie-Gemeinschaftspraxis in der Olgastraße als Kooperationspartner wird die Studie hauptsächlich in Ulm durchgeführt. Außer diesen nimmt auch eine Stuttgarter Radiologiepraxis an der Erhebung teil.

Röntgenkontrastmittel werden als Hilfsstoffe in der Diagnostik eingesetzt. Vom Patienten werden sie innerhalb der ersten 24 Stunden vollständig über den Urin ausgeschieden. Das Problem ist, dass die Stoffe auch in Kläranlagen nicht abgebaut werden und nahezu unverändert in die Gewässer gelangen. Um das zu verhindern, müsste der Patientenurin während des ersten Tages nach der Untersuchung getrennt aufgefangen werden. Die kooperierenden Radiologien werden ihren Patienten deswegen nahelegen, Wegwerf-Beutel zu benutzen. In den aus dem Outdoor-Bereich stammenden Beuteln bindet Granulat den Urin und ermöglicht eine geruchslose Entsorgung über den Restmüll. Müllverbrennung stellt derzeit den sichersten Entsorgungsweg für Medikamente dar.

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