Das Stadthaus trägt seinen Namen nicht umsonst, wie Iris Mann sagt: „Es ist ein Haus mitten in der Stadt, aber auch für die Stadt“, sagte die Bürgermeisterin bei der Vorstellung des Jahresprogramms. Es ist aber auch ein Ort, an dem Ausstellungen internationalen Formats zu sehen sind. Diese Doppelrolle kommt 2020 besonders zum Tragen: In den kommenden Monaten stehen dort laut Mann „extrem ulmische Themen“ an, aber auch das Weltgeschehen spiegelt sich vielfach.

Derzeit ist der Großteil des Richard-Meier-Baus geschlossen: Es wird ein neuer Personenaufzug eingebaut, der Westflügel samt Saal kann nicht genutzt werden. Parallel dazu wird im Café ein Wasserschaden beseitigt. Die Kabinettausstellung „Unser Leben – süßsauer serviert“ (bis 22. März) ist über das Treppenhaus im Ostflügel weiter erreichbar.

Erste neue Ausstellung im März

So richtig los im Programm geht es daher erst im März, mit einem aus Sicht von Stadthaus-Leiterin Karla Nieraad „herausragenden Ulmer Künstler“: dem 2017 mit nur 53 Jahren verstorbenen Thomas Kahl. „Der unbekannte Forscher“ (ab 7. März) vereint Leihgaben und Arbeiten aus dem Nachlass.

Zum 250. Geburtstag von Albrecht Ludwig Berblinger geht das Stadthaus neue Wege: Für „Die Welt, ein Raum mit Flügeln“ (ab 16. Mai) verwandeln die Bühnenbildner Timo Dentler und Okarina Peter das Gebäude in ein begehbares Panoptikum des Traums vom Fliegen und anderer Träume. Die Besucher können in der Ausstellung echten und fiktiven Flugpionieren begegnen oder herausfinden, wo man herauskommt, wenn man vom Münsterplatz aus einen Tunnel durch den Erdmittelpunkt bohrt: auf der neuseeländischen Insel Pitt Island nämlich.

Fotos aus Guantánamo Bay

In die (bittere) Realität katapultiert einen im Herbst eine Ausstellung der Amerikanerin Debi Cornwall: „Welcome to Camp America: Inside Guantánamo Bay“ (ab 10. Oktober). Die frühere Bürgerrechtsanwältin fotografierte die US-Marinebasis auf Kuba, zu der seit 2002 auch ein Gefangenenlager gehört. Was man dort zu sehen bekommt, ist „sehr weit von dem entfernt, wie wir uns Guantánamo vorstellen“, sagt Kuratorin Daniela Baumann. Denn zu dem Stützpunkt gehören auch ein Golfplatz und andere Freizeiteinrichtungen: eine Ausstellung, die den Zynismus der US-Anti-Terror-Politik sichtbar macht. Eine  menschlichere Seite Amerikas zeigt parallel eine Street-Photography-Schau, „New York City Street Photos“ von Melanie Einzig (ab 17. Oktober).

Festival heißt jetzt „KlangHaus“

Abseits der Ausstellungen gibt es im Stadthaus auch weiterhin Konzerte. Das Neue-Musik-Festival findet von 16. bis 25. April statt – und heißt jetzt „KlangHaus“. Damit solle die wichtige Verbindung von Musik und Architektur betont werden, sagt der künstlerische Leiter Jürgen Grözinger. Das Festival steht unter dem Motto „Monte Verità“, zu den Gästen gehört Alt-Saxofonist Hayden Chisholm.

Die bekannten Musikformate werden nach der Baustellenpause ebenfalls fortgesetzt: die Kammermusikreihe „klassisch!“ mit einem Konzert des Marmen Quartet (7. Februar), die Jazzkonzerte des Vereins für moderne Musik mit einem Auftritt des Emile Parisien Quartet (9. März).

Erfolgreiche Bilanz des Jahres 2019


Besucher Das Jahr 2019 war aus Sicht von Leiterin Karla Nieraad ein gutes Jahr für das Stadthaus: Es wurden insgesamt 182 590 Besucher gezählt, fast exakt so viele wie 2018. Die Gewichte haben sich etwas verschoben – zugunsten der Ausstellungen.

Geld Das Stadthaus wird das Jahr 2019 voraussichtlich mit einem Budgetübertrag von rund 30 000 Euro abschließen. Für 2020 wird das Budget erhöht. Das bringe mehr Planungssicherheit, sagt Nieraad.