Wilhelmsburg Problemlöser auf der Suche nach Problemen

Ulm / Claudia Reicherter 04.10.2018

„Was ist eigentlich dein Problem?“ Ganz keck und direkt und niederschwellig mit „du“ werden wir das gefragt. Von den Leuten, die uns von Ende Juli an eine Bühne und eine Bar sowie schöne wetterfeste Palettensofas und -tische im Innenhof der Wilhelmsburg bereitgestellt haben. Sie gehören zur Hard- und Software-Schmiede „Widerstand und Söhne“ und zum Designbüro „Bootschaft “.

Gemeinsam hatte sich das laut Kulturamt „buntgemischte Team“ um Dirk Bayer und Patrick Kaczmarek mit der Idee, in dem alten Gemäuer den Sommer über die „Wilhelmsbar“ und später dazu auch noch ein „Wilhelmsbüro“ einzurichten, um die Förderung von der Stadt Ulm und vom Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ zum „Pop Up Space Wilhelmsburg“ beworben. Das Zwischennutzungsprojekt soll künftige Nutzungsmöglichkeiten dieses bislang kaum im Alltag der Bürger vorkommenden Bauwerks ausloten.

Die Drinks an der Wilhelmsbar haben viele Ulmer, Neu-Ulmer und Besucher von so weit her wie Gent in den vergangenen Monaten schon getestet. Nun sind die Mitglieder des Neuen Saarbrücker Kunstvereins, die die Zitadelle an den Wochenenden mit Kunstaktionen bespielten, ausgezogen. Und die lokalen Akteure vom Arbeitskreis Kultur haben ihren Jour fixe, „Donnerstags auf der Burg“, eingestellt. Zeit für was Neues. Zeit für die Frage, „Was ist eigentlich dein Problem?“.

48 Stunden für jede Lösung

Antworten darauf gibt es erstmals morgen, Freitag, 18 Uhr. Schon heute quartieren sich die sechs Mitarbeiter der beiden jungen Firmen dann mit Laptops, 3-D-Drucker, „ein bisschen Elektronik und einer kleinen Werkstatt“ auf der Burg ein, erklärt Dirk Bayer. „Immer donnerstags um acht bekommen wir unser Problem serviert und freitags um sechs präsentieren wir öffentlich unseren Lösungsansatz.“ Fünf Wochen wird das so gehen. Je 48 Stunden lang erarbeiten die beiden Projektsprecher mit Florian Geiselhart, Falko Pross, Manuel Schall und Kathrin Guther dort „kreative und kostenlose Lösungsansätze für Probleme aller Art“ – und bitten deshalb jetzt schon: „Fordere uns heraus!“.

Jeder darf über die Internetseite https://wilhelmsbuero.de/ Aufgaben und Problemstellungen einreichen. Die können von privaten über alltägliche bis hin zu unternehmerischen Herausforderungen reichen. Unter den eingegangenen Problemen wählen wechselnde „Paten“ jede Woche eines aus. Weil sie also aufs Mitmachen vieler problembehafteter Menschen angewiesen sind und wissen, dass es schwerer fällt, auf gänzlich offene Aufrufe zu reagieren, haben sich die Designer, Konzeptioner, Web- und Virtual-Reality-Entwickler in den vergangene  Tagen ein paar „Beispielprobleme“ ausgedacht, die sie auf ihrer Website schildern.

„Wir wissen zuvor nicht, welche Aufgaben uns die Ulmer Bürgerinnen und Bürger stellen“, erläutert Bayer das experimentelle Projekt. Alles ist offen, machen wir mit! Nur eines steht schon fest: Die Wilhelmsbar bleibt zwischen 5. Oktober und 2. November zumindest an den „Wilhelmsbüro“-Freitagen geöffnet – von 18 Uhr an.

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