Ulm Pro Arte zeigt "In Memoriam" Werke verstorbener Ulmer Künstler

Frederick William Ayer ist einer von vier Künstlern, an die die Schau „In Memoriam“ in der Galerie im Kornhauskeller erinnert.
Frederick William Ayer ist einer von vier Künstlern, an die die Schau „In Memoriam“ in der Galerie im Kornhauskeller erinnert. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / OTFRIED KÄPPELER 20.09.2016
„In Memoriam“ an Helmut Schäffenacker, Martin Krampen, Frederick William Ayer und Tassilo Mozer hat die Kunststiftung Pro Arte den vier bekannten Ulmer Künstlern eine Ausstellung eingerichtet.

Sie haben in Ulm noch immer einen sehr guten Klang, die Namen der vier verstorbenen Künstler, denen die Kunststiftung Pro Arte nun eine Ausstellung widmet. Helmut Schäffenacker (1921-2010) ist als Ältester mit seinen Keramikarbeiten in der Stadt noch präsent, den älteren Ulmern ist er ohnehin ein Begriff. Einen breiten Raum nehmen in der Galerie im Kornhauskeller eben diese Keramiken ein. Nie scheute er dabei die Nähe zum Kunsthandwerk, wenn er große, ja schon skulpturale Vasen gestaltete. Als hätte er manche Vase aufgeklappt und zu einem Wandobjekt weitergeführt, wirkt manche Arbeit.

Neben den Keramiken sind frühe, selten ausgestellte Tuschen zu sehen, die den Bezug zur klassischen Moderne – mit leicht surrealem Einschlag – nicht leugnen können. Die formale Klarheit eines Schäffenackers wurde bei Martin Krampen (1928-2015) zu formaler Strenge. Diese konterkarierte er freilich gerne mit der Technik der Decollage. In der Frühphase seines Schaffens überließ der ehemalige Student und spätere Lehrende an der HfG die Abrisse einer Art tachistischem Zufall. Später, mit seinen „Müll-Mondrians“ oder kubischen Werken, lenkte er Form und Komposition entschieden. Diese Entwicklung zeigt die Ausstellung deutlich.

Von allen vier Künstlern war Frederick William Ayer (1941-2010) jener, der am intuitivsten arbeitete und auf sein Bauchgefühl hörte. Der gelernte Jurist sowie autodidaktische Maler und Dichter „entwickelte seine Kompostionen in einer expressiven Pinselführung“, die in ihrer „gewollten Naivität an die Straßenkunst der 1980er Jahre erinnern, wie sie etwa ein Jean-Michel Basquiat pflegte“, erläuterte der Kunsthistoriker Raimund Kast von der Kunststiftung Pro Arte in seiner Einführung.

Formal extrem reduziert sind die Plastiken von Tassilo Mozer (1963-2012). Für diesen Künstler zählte die klare Form, die – wie in Form eines nach oben leicht konisch zulaufenden Quaders manifest wird – geradezu Material gewordene Konzentration ist. Angesichts dieses Werks ist die Nähe des Künstlers zur asiatischen, genauer zur japanischen Geistes- und Formenwelt evident. Er bereiste regelmäßig den Inselstaat und studierte japanische Schriftzeichen.

Für die Ulmer Ausstellung hat sein Bruder Heiko Mozer eine sogenannte Tokonoma (Schmucknische) eingerichtet, ein „wichtiges Element der traditionellen japanischen Innenarchitektur“, wie Kast sagte. In täglichem Wechsel wird in eine solche Tokonoma eine Schriftrolle, Vase oder ein Blumengesteck gestellt. Analog dazu wird während der Ausstellung im Kornhauskeller täglich ein anderes Werk von Tassilo Mozer in der Tokonoma stehen. Ein schönes Prinzip für eine Ausstellung, das auch ohne japanischen Hintergrund seinen Reiz hat.

Info Bis 19. November in der Galerie im Kornhauskeller, Di-Fr 14-18, Sa 11-14 Uhr.