Verbot von Böllern und Raketen? Silvester in Ulm: Privates Feuerwerk bleibt wohl erlaubt

In Ulm soll privates Feuerwerk wohl erlaubt bleiben.
In Ulm soll privates Feuerwerk wohl erlaubt bleiben. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Christine Liebhardt 03.01.2019
Nach den Diskussionen um Böllerverbote: Ulmer dürfen voraussichtlich weiter Raketen zünden.

In den Tagen um den Jahreswechsel ist in ganz Deutschland und vor allem auch in den sozialen Medien viel diskutiert worden: Sollte die Privatknallerei an Silvester verboten werden – und stattdessen in Städten ein zentrales Feuerwerk stattfinden?

Zumindest in Ulm kann davon wohl keine Rede sein. Die Pressesprecherin der Stadt Marlies Gildehaus hat bislang weder von einem Böllerverbot noch von Plänen für ein zentrales Feuerwerk Kenntnis. „Ein Böllerverbot ist immer wieder Thema und von der Lage in der Innenstadt abhängig“, sagt Rainer Türke, Leiter der städtischen Abteilung Sicherheit, Ordnung und Gewerbe. Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage sieht Türke dafür aber keinen Grund. „Man will den Bürgern das Böllern nicht verbieten. Wenn man das tut, muss man gute Gründe haben, etwa eine angekündigte Straftat.“

Kein dezidiertes Verbot

Wo das private Abfeuern von Böllern und Raketen verboten ist, legt zunächst einmal die bundesweit geltende Sprengstoffverordnung fest: Sie untersagt das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in der unmittelbaren Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie Reetdach- und Fachwerkhäusern aus Lärm- und Brandschutzgründen. In Ulm gibt es laut Gildehaus keine solchen Zonen: „Ein dezidiertes Verbot wird nicht ausgesprochen.“ Weshalb, erklärt Rainer Türke: „Das ist eine Frage der Überwachung. Wir müssten Verbotszonen verfügen und diese dann kontrollieren.“ Dafür sei mindestens eine Hundertschaft Polizei notwendig, die patrouilliert.

Die Befürworter eines Böllerverbotes weisen auf die enorm hohe Feinstaubbelastung hin: In den Stunden um Mitternacht blasen die Deutschen laut Bundesumweltamt 4500 Tonnen Feinstaub in die Luft – was rund 15 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge entspricht und zwei Prozent der gesamten Jahresbelastung. „Das Thema Feinstaub kann in der Stadtpolitik durchaus noch aufgegriffen werden“, sagt Türke. Ein Verbot könnte also auch kommen – aber eben nicht aufgrund der Sicherheitslage, sondern aus politischem Willen.

Gefährlicher Umgang mit Feuerwerkskörpern

Auch, dass Raketen und Böller immer wieder auf Menschen gerichtet werden, verursacht Kritik. In Ulm etwa hatte ein 17-Jähriger auf dem Münsterplatz gezielt mit Raketen in die Menschenmenge gefeuert. Er muss sich jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Wie Augenzeugen berichten, hätten sich am Montag um Mitternacht herum auf dem Münsterplatz auch andere junge Männer gegenseitig mit Böllern beworfen.

In diesen Städten ist Feuerwerk verboten

Die Ulmer Polizei hatte am Mittwoch allerdings keine neuen Erkenntnisse zu derartigen Vorkommnissen an Silvester. „Wir haben nur das, was uns gemeldet wird und was wir selbst sehen“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Jürgens auf Anfrage.

Viele Städte in Baden-Würt­tem­berg setzen das Verbot des Zündens von Feuerwerken an neuralgischen Punkten wie in der Sprengstoffverordnung beschrieben bereits konsequent um. Dazu gehören etwa Tübingen, Esslingen, Rottweil, Konstanz, Überlingen, Weingarten, Bietigheim-Bissingen, Villingen-Schwenningen und Heidenheim.

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