Dass die Autorin der so genannten Konversations-Komödie aus dem Jahr 2006 vom Walser-Clan am Bodensee stammt, muss man nicht unbedingt wissen. Der ebenso betagte wie berühmte Vater aber, Großschriftsteller Martin Walser, hat seine Schreibgene tatsächlich an die vier Töchter und den Sohn weitergegeben, die alle seit Jahren literarisch in Erscheinung treten.

Was jedoch will uns Theresia, die Jüngste, mit dem Beinahe-Talkshow-Auftritt ihrer Nazi-Darsteller vermitteln, wenn der unbedingt und immer wieder eine "Konversations"-Komödie genannt werden muss? Ist nicht alles, was auf der Bühne geschieht, im Grunde seines Wesens "Konversation"?

Schauspieler (Heinz Koch und Richard Aigner als eitle, gegensätzliche Hitler-Darsteller, Holger Menzel als durchaus sympathischer Goebbels) treffen sich im TV-Studio, sie sollen vor der Kamera von ihren Erfahrungen als Obernazi-Darsteller berichten. Dazu aber kommt es nicht. Es gilt die Wartezeit zu überbrücken - mit "Konversation".

Im äußerst kargen Bühnenbild vor hellgrüner Wand sitzen die drei auf ebenfalls grünen Drehstühlen nebeneinander, fast wie an der Bar. Vor ihnen ein kippeliges silbernes Tischchen. Wie sich zeigen wird, fast so etwas wie eine vierte Person, mit Wasserglas, die Flasche aber leider ganz ohne Hahnenwasser.

Geht es im ersten Teil noch um die persönlichen Befindlichkeiten und oberflächliche Reflexionen zur Hitler-Darstellung, gelingt es Goebbels im zweiten, moderne Positionen der Theater- und Regiearbeit einzufordern: Mit "Text aufsagen" ist es schon lange nicht mehr getan. Seine Kollegen verkörpern Bühnenhelden der Vergangenheit. Er aber teilt sich in "Göttingen" die Rolle des Hamlet mit sechs weiteren Kollegen! Humor kommt nicht zu kurz - und dass Figuren wie Hitler oder Goebbels auch Gegenstand einer deutschen Humoreske sein dürfen, wird 70 Jahre nach Kriegsende ohnehin niemand ernsthaft bestreiten wollen.

Regisseur Ralf Milde ist es mit dezenten Eingriffen gelungen, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Protagonisten im Stück herauszuarbeiten und seinen Schauspielern Raum zur persönlichen Entfaltung zu gewähren. Komödie: ja. Konversation: auf jeden Fall!

Dem Walser-Stück sowie dem Theaterchen und dem Engagement der Macher in Neu-Ulm würde man ein paar mehr Zuschauer wünschen. So um die 90 haben jeden Abend Platz.

Info Weitere Vorstellungen: am Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr, sowie am 7., 8., 14. und 30.1 November. Kartenvorbestellung unter Telefon 0731/55 34 12.