Schauspiel Premiere im Podium: „Lupus in Fabula“

Zwischen Sorge und Zorn: Franziska Maria Pößl, Nicola Schubert und Tini Prüfert (von links).
Zwischen Sorge und Zorn: Franziska Maria Pößl, Nicola Schubert und Tini Prüfert (von links). © Foto: Kerstin Schomburg
Ulm / Christina Kirsch 01.10.2018

Wahrscheinlich ist es Zufall. Auch das erste Stück der neuen Spielzeit im Podium des Theaters Ulm beginnt mit Tieren. In der Mitte der Bühne hockt ein Wolf und raschelt mit seinem Fell aus Bast. Zwei andere kommen dazu und wandern durch die Zuschauerreihen. Die drei Figuren erinnern an  Masken aus der schwäbisch- alemannischen Fasnet. Dort bieten Tiermasken  Schutz, vertreiben das Böse.

In Henriette Dushes Schauspiel „Lupus in Fabula“, das am Samstag im Podium Premiere hatte,  ist das Böse der Tod. Er hat sich am Krankenbett des Vaters eingenistet und zwingt drei Schwestern, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Was sie erstmal gar nicht wollen. Vielleicht tut ihnen der Vater den Gefallen und stirbt möglichst schnell?

Mal scheint er tot zu sein, erlöst sozusagen, nur um sie kurz darauf hellwach anzuschauen und „Hunger“ zu sagen. Der Schreck fährt da den Schwestern in die Glieder. Die mittlere (neu im Ensemble: Nicola Schubert) möchte nicht, dass ihr Vater geht und hofft, dass ihn ihr Baby, das sie ihm ans Bett bringt, wiederbelebt. Die Ältere (Tini Prüfert) sieht das realistischer. Sie ist die Pflegende, die vom Körper aus Haut und Knochen drastisch sagt, in ihn gehe oben alles so rein wie es unten wieder rauskomme. Sie ist es, die Windeln wechselt und füttert, eigene Lebenszeit investiert und ihren Schwestern deshalb Vorwürfe macht. „Es muss ja gemacht werden“. Aber es ist eklig und stinkt.

Unfertige Sätze bleiben im Raum hängen. „Wenn es so weit ist . . .“. Ja, was ist dann? In der Inszenierung von Ivna Žic zerbröselt das Magische langsam und wird drastische Realität.

Die Masken kommen an die Wand und die Schwestern bekommen sich in die Haare. Trauern sie „richtig“? Ist noch etwas unausgesprochen? „Ich würde wirklich jetzt gerne loslassen“, sinniert die Jüngste (Franziska Maria Pößl). Das geht am besten, wenn sie sich alle anfassen und aneinander kuscheln.

Das wirkt dann doch etwas verklärt und romantisierend. Stark sind alle drei Schauspielerinnen in ihren Übersprungshandlungen, dem zwanghaften Aufräumen und Saubermachen. Und in ihrem Zorn – auf sich, auf den Vater und auf das im Leben Verpasste.

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