Der Ulmer AIDS-Forscher Prof. Frank Kirchhoff, Leiter des Instituts für Molekulare Virologie, kann seinen zahlreichen Auszeichnungen den „KT Jeang Retrovirology Award“ hinzufügen, teilt die Universität Ulm mit. In mehr als 25 Jahren hat Kirchhoff wichtige Erkenntnisse zum HI-Virus gewonnen: Unter anderem untersucht der Biologe die Entstehungsgeschichte des Immundefizienz-Virus, der wohl in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts von Primaten auf den Menschen übergegangen ist. Kirchhoff konnte beispielsweise zeigen, warum lediglich die HIV-Untergruppe M eine Pandemie ausgelöst hat. Ein besseres Verständnis der Krankheitsentstehung und körpereigener Verteidigungsstrategien könnte den Weg zu neuen Therapien weisen.

Mit Kollegen sucht Frank Kirchhoff in menschlichen Körperflüssigkeiten nach HIV-Hemmern und -Verstärkern. Dazu haben die Wissenschaftler 2013 das Ulmer Zentrum für Peptidpharmazeutika gegründet. Zu den größten Erfolgen zählt die Entdeckung des Peptids „VIRIP“, das die Verankerung des HI-Virus an der Wirtszelle unterbindet. Im Gegensatz dazu verstärken Fibrillen im Sperma die Infektiosität. Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich womöglich Anhaltspunkte für nebenwirkungsarme Medikamente.

Kirchhoff (Jahrgang 1961) forscht seit 2001 an der Uni Ulm. 2009 ist er mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet worden, drei Jahre später erhielt er einen ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats über 1,9 Millionen Euro.