Die junge Frau mit marokkanischen Wurzeln spricht akzentfreies, schönes, reinstes Hochdeutsch. Kein Anflug hessischen Dialekts noch Anklänge an Kanak-Sprak oder Rapper-Slang trüben die Rede der 24-jährigen Frankfurterin. Dass die Interaktion mit dem Publikum im Ulmer Blautal-Center beim Gespräch mit Radio-7-Plattenküche-Moderator Matthias Ihring dennoch nicht so recht klappt, mag am Geräuschpegel in dem für den verkaufsoffenen Sonntag zum Aufnahmestudio umfunktionierten ehemaligen Elektronikmarkt im ersten Stock des Einkaufzentrums liegen.

So entstehen unversehens lustige Dialoge wie jener, der auf die Frage nach der Herkunft der seit Erscheinen ihres Debüt-Albums gern als Proto-Migrationshintergründerin zu Interviews herangezogenen "Lieblingsmensch"-Sängerin folgt.

Namika zu ihren Fans: "Sind Marokkaner hier?" - Ein paar Stimmen aus dem Publikum: "Jaa!!" - Namika: "Woher kommt Ihr denn?" - Ein paar Stimmen aus dem Publikum: "Marokko!"

Obgleich die Besucherzahl angesichts der aufgestellten Wellenbrecher die Erwartungen der Organisatoren weit untertroffen haben dürfte, ist es im vorderen Drittel des Bereichs vor der kleinen Bühne, auf der Namika sitzt, sehr eng. Die vorrangig weiblichen, zwischen drei und 15 Jahre jungen Fans samt einiger Erziehungsberechtigter beziehungsweise Kinderwagenschieber schnattern so aufgeregt wie ausdauernd. Der Moderator muss deshalb an einer Stelle des etwa einstündigen Interviews explizit um Ruhe bitten. Sonst wären die Hintergrundgeräusche auch im Radio zu hören.

Namika, bekennende Vertreterin der "Generation Draußenspieler, Noch-kein-Smartphone-Haber und Wassereisschlecker" erzählt den Menschen, die bei strahlendem Sonnenschein den Weg ins schattige Pop-up-Studio gefunden haben, und dort zum Fotografieren oder Filmen en bloc die Smartphones hochhalten, vom Aufwachsen in den 90ern. Wie sie als "Knirps" am Radio stand und mitwippte, vom ersten Mixtape und dem ersten Besuch eines Fast-Food-Restaurants führt das Gespräch zu den Sprachen, die in Nador, der Heimat ihrer Großeltern, gesprochen werden: Französisch, Arabisch und "Berberisch".

Namika schildert, wie es war, als Newcomer mit der rasant wachsenden Popularität zurechtzukommen, seit ihre erste Single die Hitparade stürmte: Als Gast von Cro vor 17.000 Menschen aufzutreten, habe ihr zuletzt - passend zum gleichnamigen Song - "Herzrasen" bereitet.

Auch sonst ist sie ganz die junge Frau "mitten im Leben": die seit Jahren im Fitnessstudio angemeldet ist, aber nie hingeht, sondern lieber Fernsehserien schaut; die vor ihrem riesigen Kleiderschrank steht und nichts anzuziehen findet; die keine Haustiere hat, aber Katzen süß findet. Die "Coole Katze" in einem ihrer Songs steht für eine jener Frauen "wie sie wohl jeder in seinem Freundeskreis hat", erklärt die 24-Jährige: "pleite, aber elegant".

Schließlich, vor der Autogrammstunde, zu der am Eingang zum temporären Studio ihre CD verkauft wird, gibt sie Matze Ihring, den Center-Besuchern und Radiohörern noch Urlaubspläne preis: Im Herbst geht's als Trauzeugin zur Hochzeit einer Freundin nach Las Vegas. Die Fans aber interessiert vielmehr: "Singt sie auch mal live?" Das tut Namika am Sonntag nur einmal: zu ihrem Hit "Lieblingsmensch". Alle anderen Lieder - ob solo oder mit Ali As - werden vom Band eingespielt.

Dreifach für den Echo nominiert

Biografie Namika, geboren am 7. September 1991 in Frankfurt, heißt bürgerlich Hanan Hamdi und tritt bisweilen auch unter dem Künstlernamen Hän Violett auf. Namika bedeutet übersetzt "die Schreiberin". Die erste Single "Lieblingsmensch" von ihrem im Juli 2015 erschienen Debüt-Album "Nador" stieg nach einigen Wochen auf Platz eins der deutschen Charts. Ende August vertrat sie Hessen mit "Hellwach" beim Bundesvision Song Contest. Ende Januar erschien ihre neue Single "Kompliziert". Für den Echo, der am Donnerstag in Berlin verliehen wird, ist sie wie Adele, Helene Fischer und Sido in drei Kategorien nominiert.

Termine Namika tritt am 27. Mai, 20 Uhr, im Ulmer Zelt auf. Die vorab ausgegebenen "Print-at-Home"-Tickets sind zwar alle schon weg, mit dem Start des Kartenverkaufs soll es aber wieder Tickets geben.