Am Mittwochmorgen gegen 9.30 Uhr fand in Ulm ein größerer Polizeieinsatz statt. Nach Berichten eines Reporters der SWP standen in der Olgastraße vier Einsatzfahrzeuge der Polizei. Mehrere Beamte waren in einem Wohnhaus zugange. Sie waren bewaffnet und hatten nach Zeugenaussagen einen Rammbock bei sich.

Um kurz vor 11.30 Uhr verließen die Beamten mit mehreren blauen Müllsäcken das Gebäude und machten sich zum Abzug bereit. Ein Mann wurde festgenommen und abgeführt.

Zunächst wurde ein SEK-Einsatz vermutet. Wie die Beamten vor Ort aber auf Nachfrage des SWP-Reporters bestätigen, handelt es sich um Bereitschaftspolizisten, die entsprechend ausgestattet sind und das Polizeipräsidium Ulm bei dem Einsatz unterstützt hatten. Es gehe um Menschenhandel und Zwangsprostitution, teilte die Polizei am Abend mit.

Die Polizei durchsuchte am Mittwochmorgen ein Gebäude in der Ulmer Olgastraße.
© Foto: Alex Kern

Nach Einsatz in Ulm, Neu-Ulm und Senden: Polizei vernimmt vier Männer

Ungefähr zeitgleich fanden am Mittwochmorgen vier Wohnungsdurchsuchungen unter der Führung der Polizeiinspektion Neu-Ulm statt: eine in Ulm, zwei in Neu-Ulm und eine in Senden. Das teilte ein Sprecher der Neu-Ulmer Polizei auf Anfrage mit.

Die Einsätze stehen nicht im Zusammenhang mit der Festnahme in der Olgastraße.

Hintergrund der Durchsuchungen waren die mutmaßlich illegalen Aktivitäten eines 33-jährigen Mannes, der verdächtigt wird, „mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge Handel zu treiben“, so der Polizeisprecher.

Vier Tatverdächtige im Alter zwischen 28 und 33 Jahren seien vernommen worden, allerdings haben sie zu den Vorwürfen geschwiegen. Inzwischen befinden sie sich wieder auf freiem Fuß.

Bei einer der vier Razzien sei die Kripo Neu-Ulm durch Spezialeinsatzkräfte des SEK München unterstützt worden: „Bei diesem Tatverdächtigen ging man davon aus, dass er Waffen bei sich hat.“

Spezialeinheit stürmt Wohnung in Ulm: Zeugin berichtet

Der Einsatz der Spezialeinheit, der bereits gegen 5.30 Uhr stattfand, hatte die Bewohner des Fachwerkhauses in der Ulmer Innenstadt aus dem Schlaf gerissen.

„Ich habe einen Mords-Schlag gehört“, erzählt eine Frau. Erst habe sie gedacht, sie träume, aber als dann noch jemand „Polizei“ rief, habe sie die Wohnungstür geöffnet. Dort seien mindestens sechs völlig vermummte, mit Patronengürtel bestückte und behelmte Männer an ihr vorbei die Treppe hoch gerannt – in die Wohnung über ihr. „Die haben die Tür eingeschlagen, da ist nichts mehr übrig.“ Als auch ihr Nachbar aus der Wohnung trat, habe jemand gerufen: „Zurück!“.

Die Beamten waren am Mittwochmorgen auch in der Ulmer Innenstadt zugange.
© Foto: Adem Akgün

Wohnungsdurchsuchung: Bellende Hunde, uniformierte Einsatzkräfte

Nach einer Weile habe sie sich jedoch wieder ins Treppenhaus gewagt. „Dort standen schwere Schutzschilde und ein Rucksack.“ Oben in der Wohnung sei ein „riesen Getöse“ gewesen. Auch hätten Hunde gebellt. Die Ulmer Geschäftsfrau dachte erst, es sei jemand ermordet worden. Ein normaler Polizeieinsatz sei das ja wohl nicht. Oben wohne ein junger Mann, den sie aber nicht weiter kenne. Ihr sei allerdings  aufgefallen, dass er stets viel Besuch gehabt habe – „jedes Mal andere junge Männer, die aber immer freundlich gegrüßt haben.“ Komisch sei es ihr schon vorgekommen. Erst gegen 9.30 Uhr seien die Beamten verschwunden.

Neu-Ulmer Kripo stellt Marihuana und weitere Drogen sicher

Bei den vier Wohnungsdurchsuchungen hat die Neu-Ulmer Kriminalpolizei nach eigenen Angaben unter anderem kleinere Mengen an Kokain und Marihuana sowie Anabolika, Drogenersatzstoffe und Waffen sichergestellt. Die Waffen würden vom LKA Bayern untersucht. Zudem wurden Bargeld und scheinbar hochwertige Uhren – die Echtheit müsse noch geprüft werden – beschlagnahmt. Es sei möglich, dass die aus dem Drogenhandel stammten, sagte der Sprecher in Kempten.

Weiterer Einsatz nach Kokainfund in Schwaighofen

Einen weiteren Einsatz gab es am Mittwoch im Neu-Ulmer Stadtteil Schwaighofen. Dieser hängt mit dem Drogen-Fund in einem Fruchtgroßhandel in Dezember zusammen.

Weitere Informationen folgen.

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