Seinen Einzug ins Parlament hat Alexander Kulitz verschlafen. Gegen 0.40 Uhr – da lag er schon in Morpheus’ Armen – war klar, dass die in Punkto Zweitstimmen überdurchschnittlich erfolgreichen Südwest-Liberalen zwölf Abgeordnete nach Berlin schicken.  Für den auf Listenplatz elf gesetzten Politneuling  aus Ulm  war somit die Fahrkarte gelöst. Dafür sei er am Morgen um so fitter gewesen, als er die Kunde erhielt, erzählte Kulitz gestern. „Mein erster Gedanke war: Jetzt schnell ins Bad und dann los.“ Mit dem nächstbesten Flieger (Air Berlin, Ticket 150 Euro) ging es sogleich in die Bundeshauptstadt zur konstituierenden Sitzung der künftigen FDP-Fraktion.

Während durchs Handy Tegeler Flughafenlärm dringt, verrät der 36-jährige  Sohn des Ulmer IHK-Präsidenten Peter Kulitz bereitwillig, was ihn politisch umtreibt. Als Jungunternehmer (im elterlichen Betrieb Esta) sei er „ein Mann der Praxis“. Deshalb wolle er sich in den kommenden vier Jahren vor allem für die Wirtschaft stark machen, „Entbürokratisierung vorantreiben“.  Auch außenpolitisch bringe er ein bisschen Erfahrung mit, schließlich exportiere Esta in über 30 Länder. „Auf diesen beiden Feldern würde ich mich gerne einbringen, so ich gefragt werde.“ Für den Wahlkreis nennt er den Breitbandausbau als wichtigstes Thema. „Gerade im Alb-Donau-Kreis gibt es da noch ganz große Defizite“

Den Bundesvorsitz der Wirtschaftsjunioren will Kulitz am liebsten vorzeitig niederlegen, sprich: noch in diesem Jahr. „Das ist eine überparteiliche Organisation, das verträgt sich nicht mit einem politischen Mandat.“ Seine (für 2018) bereits gewählte Nachfolgerin könne vielleicht schon früher das Ruder übernehmen.  Im Vorstand des bundesweit größten Jungunternehmer-Verbands wolle er aber weiterhin bleiben.

Eine mögliche Jamaika-Koalition  sieht Kulitz skeptisch. „Da hab’ ich etwas Bauchschmerzen.“  Nicht die Christdemokraten und die Christsozialen seien das Problem, sondern die Grünen im Bund, deren Positionen sich von denen der Südwest-Grünen teilweise stark  unterschieden. „Ein Verbot des Verbrennungsmotors bis 2030 ist mit uns nicht zu machen.“ Sollte es zu Koalitionsverhandlungen kommen, „gibt es eine Menge Späne zu raspeln“.

Und was sagt seine in der CDU beheimatete Familie zu seinem Wahl-Erfolg? „Meine Schwester Jessica (sie saß bis 2014 für die CDU im Ulmer Gemeinderat, Anm. d. Red.) hat mir aus den USA gratuliert. Zu meinem Vater hatte ich heute noch keinen Kontakt.“ 

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