Pokemon Pokemon Go: In Ulm auf der Jagd nach Pikachu und Co.

IGOR STEINLE 15.07.2016
Ulm ist im „Pokémon-Go“-Fieber. Seit Mittwoch ist das Handyspiel in Deutschland verfügbar. Kaum eine App wurde seitdem so oft heruntergeladen.

Ist man mit der „Pokémon-Go-App“ unterwegs, dauert es keine fünf Minuten, bis man auf andere Pokémon-Jäger trifft. Auf dem Schulhof der List-Schule etwa steht eine ganze Gruppe und schaut zu, wie Cindy Weiher das Fledermaus-Pokémon Zubat einfängt. 16 Pokémons hat sie sich davor allein auf ihrem Schulweg geschnappt.

In den App-Stores bricht das Spiel gerade sämtliche Rekorde. Und selten sind Downloadzahlen einer Handyapp im Stadtbild derart sichtbar gewesen: An jeder Ecke finden sich in Ulm momentan Menschen, die mit ihren Handys Pokémons fangen.  Der Smombie („Smartphone-Zombie“) hat eine neue Spezies an seiner Seite – den Pokémon-Jäger.

Spätestens jetzt wird sich der ein oder andere fragen, wie das Spiel eigentlich funktioniert. Das Stichwort lautet „Augmented Reality“ (Zu deutsch: „Erweiterte Realität“.). Über den GPS-Sensor des Telefons weiß die App stets, wo der Spieler sich momentan aufhält. Je nachdem, wo man sich gerade befindet, tauchen auf einer virtuellen Karte zufällig immer wieder die kleinen Monster auf. Tippt man mit dem Finger darauf, aktiviert sich die Kamera des Telefons: Man sieht die reale Umgebung auf dem Bildschirm - mit den Pokémons darauf, die man nun einfangen muss.

Damit allein ist der Charme der App allerdings noch nicht erklärt. Was sie so attraktiv macht, ist ihr sozialer Charakter: Man jagt die gleichen Tierchen gemeinsam mit der gesamten, lokalen Pokémon-Go-Community. Philipp Schmeller zum Beispiel, ebenfalls Pokémon-Jäger, ist schon öfter auf andere Jäger gestoßen. Das geübte Auge erkennt am Gegenüber sofort an Haltung und Bedienung des Smartphones, ob er ebenfalls spielt. „Pokémon?“, fragt der 16-Jährige dann.  Die lakonische Bestätigung des Gegenübers: „Pokémon.“

Dabei sind es längst nicht nur Kinder und Jugendliche, die im Bann des Spiels stehen. Ein Blick in die sozialen Netzwerke verrät, dass „Pokémon Go“ in allen Altersgruppen beliebt ist. Nicht zum Gefallen aller. Die kleinen Fantasy-Tierchen waren in den vergangen Tagen derart omnipräsent in den sozialen Medien, dass für Googles Browser „Chrome“ mittlerweile eine Erweiterung verfügbar ist, die alle Pokémon-Inhalte ausblendet.

Der Reiz des Spiels beschränkt sich allerdings nicht nur aufs Fangen der Pokémons. Es ist vor allem der Geocaching-Aspekt, der die App auch für Erwachsene interessant macht. Auf der Jagd nach seltenen Pokémons wie Pikachu muss man auf eine regelrechte Schatzsuche gehen. Man lernt bisher vielleicht unbekannte Winkel Ulms kennen und beschreitet Wege, die man ansonsten ohne Anlass nicht gehen würde.

Darüber hinaus wartet die App mit einem bemerkenswerten Informationsschatz auch über eher unprominente Ulmer Sehenswürdigkeiten auf. Man bekommt ein schärferes Auge für Hausverzierungen in der Friedenstraße, Grabsteine und Kunst im Alten Friedhof oder Brunnen wie dem vor der Wielandvilla. An solchen Orten müssen die virtuellen Bälle, mit denen man die Pokémons einfangt, eingesammelt werden.

Eine Schatzsuche wie diese, in der man ständig aufs Handy starrt, ist in urbaner Umgebung nicht völlig unproblematisch. In den USA zum Beispiel haben sich bereits Unfälle ereignet. Auch die Berliner Polizei hat die Bürger bereits aufgefordert, beim Pokémon-Jagen den Autoverkehr nicht aus den Augen zu lassen.

Und auch der Autor dieser Zeilen hat beim Fangen eines Enten-Pokémons an der Donau heftigen Unmut zweier Radler auf sich gezogen.

Infos zu „Pokémon Go“

Augmented Reality Darunter versteht man die computergestützte Erweiterung der Umgebungswahrnehmung („Erweiterte Realität“). So können Smartphones oder 3-D-Brillen zum Beispiel visuelle Informationen in unsere Realitätswahrnehmung einblenden.

Geocaching Dabei handelt es sich um eine Art elektronischer Schatzsuche per GPS-Empfänger. Koordinaten eines versteckten Objekts werden dabei im Internet veröffentlicht. Teilnehmer dieser Schnitzeljagd können das Objekt dann per GPS suchen.

Entwicklung Die App stammt aus der Schmiede von Niantic Labs, einer ehemaligen Google-Tochter, und Nintendo. Niantec hatte im vergangenen Jahr Ärger mit einem ähnlichen Spiel. Portale, um die Spieler kämpfen mussten, waren in der Nähe von KZs platziert.