Tag der Bibliotheken Podiumsdiskussion am „Tag der Bibliotheken“

Ulm / Lena Grundhuber 25.10.2016

Eine Dame hielt die Karte fast stolz in die Höhe – die Karte mit den weißen Flecken in der baden-württembergischen Bibliothekslandschaft. Einige sind es doch: 20 Prozent der Bevölkerung haben an ihrem Ort keinen Zugang zu einer öffentlichen Bücherei, zu jener „Quelle der Belehrung und Vernünftigkeit“, wie sie vor 500 Jahren in Ulm gegründet wurde.

Bekanntlich ist Ulm ein tiefschwarzer Fleck, besitzt die Stadt doch eine der ältesten Stadtbibliotheken Deutschlands. Zum Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten richteten Ulm und Neu-Ulm sowie der Deutsche Bibliotheksverband in Baden-Württemberg und der Berufsverband BIB den „Tag der Bibliotheken“ gestern folgerichtig an der Donau aus. Nach einem Tag mit Besichtigungstouren von Wiblingen bis zum Eselsberg wurde es in der Glaspyramide auf einer Podiumsdiskussion mit Landtagsabgeordneten politisch. Immerhin, so betonte der Karlsruher OB Frank Mentrup als Vorsitzender des dbv Baden-Württemberg, handle es sich um die meistbesuchte Bildungs- und Kultureinrichtung, die nicht zuletzt in der Integration von Flüchtlingen eine wichtige Rolle spiele. Wie so oft: Im Vergleich steht das Land gut da – aber besser wäre besser.  Die Funktionäre wünschten sich mehr Unterstützung vom Land für diesen Ort freier Wissensvermittlung. Die Versorgung mit öffentlichen Bibliotheken aber ist Teil der kommunalen Selbstverwaltung, eine freiwillige Leistung.

Modelle wie Fahrbibliotheken oder Zusammenschlüsse mehrerer Kommunen müssten daher stärker gefördert werden, forderte Monika Ziller, Geschäftsführerin des dbv Baden-Württemberg: „Ich finde schon, dass das Land in der Verpflichtung ist, hier was zu tun.“ Die anwesenden Landtagsabgeordneten schienen von mehr Zwang – etwa durch ein Bibliotheksgesetz wie in Schleswig-Holstein  – weniger begeistert: „Wenn man Gesetz und Kontrolle oben reinschmeißt, kommt in unserem Staat Bürokratie raus“, so Raimund Haser (CDU). Und Nico Weinmann (FDP) und Jürgen Filius (Grüne) sahen die Rolle des Landes eher in projektbezogenen Förderungen, etwa bei der Digitalisierung (Martin Rivoir, SPD).

Bleiben die Bibliotheken also zwischen der Angst des Landes vorm Zahlen und der Furcht der Kommunen vor Einmischung auf der Strecke? Vielleicht lag’s am feierlichen Anlass, jedenfalls schien man sich am Ende tatsächlich in der Mitte zu treffen – wenn auch nur bei einem Zwischenschritt. Eine Analyse und Evaluierung der Bibliotheksstruktur wolle man in Auftrag geben, kündigte Monika Ziller an. Die soll dann, so wünscht man sich, in einen Bibliotheksentwicklungsplan münden. Eine vernünftige Geschichte, befand die anwesende Politik. Und Bücher, man sieht’s in Ulm, haben ja einen langen Atem. Lena Grundhuber

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