Nahverkehr Pläne für längere Straßenbahnlinie 1

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Ulm / Chirin Kolb 23.08.2018

Im Nahverkehrsplan von 2017 ist es eindeutig formuliert: Wenn in zehn Jahren das Wohngebiet Kohlplatte im Söflinger Westen entwickelt wird, muss es an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen werden. SPD und Grüne haben sich bereits positioniert. Sie möchten, dass die Straßenbahnlinie 1 bis zur Kohlplatte verlängert wird. Der Chef der SWU Verkehr, André Dillmann, sieht dafür gute Chancen. Er wartet allerdings auf eine politische Weichenstellung.

Gemeinderat muss Auftrag geben

Denn noch gibt es keine genaue Untersuchung, keine Kostenberechnung, keinen Streckenverlauf. Um in die Planung einzusteigen, brauchen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) das Signal des Gemeinderats. Für Dillmann ist klar: Falls die Straßenbahn zur Kohlplatte führen soll, müssten die Gleise verlegt sein, bevor die ersten Häuser entstehen. Sollte der Gemeinderat im nächsten Jahr den Auftrag zur Untersuchung geben, wäre der Zeitplan noch zu schaffen, meint der Geschäftsführer der SWU Verkehr.

Bislang sieht der Nahverkehrsplan drei mögliche Streckenverläufe vor: von der Endhaltestelle Söflingen durch die Harthauser Straße oder durch die Jörg-Syrlin-Straße zur Kohlplatte, oder vom Theodor-Heuss-Platz (früher Westplatz) durch die Einsteinstraße (siehe Grafik). „Das sind bisher nicht mehr als bunte Striche in der Landschaft.“

So liefe die weitere Untersuchung

Machbarkeitsprüfung Die drei Trassen werden eingehender untersucht. In der Machbarkeitsprüfung geht es beispielsweise darum, ob Straßenbreiten und Kurvenradien für die Straßenbahn geeignet sind und wie viele potenzielle Fahrgäste an der Strecke wohnen und arbeiten. Dillmann geht davon aus, dass eine Variante rausfällt.

Standardisierte Bewertung Die verbliebenen beiden Trassen durchlaufen dann den Härtetest: die volkswirtschaftliche Betrachtung von Kosten und Nutzen. In diese so genannte standardisierte Bewertung fließen auch Faktoren ein wie eine CO2-Reduzierung und vermiedener Autoverkehr. „Bei aller Euphorie für die Straßenbahn: Sie muss einen volkswirtschaftlichen Nutzen haben“, sagt Dillmann. Das Ergebnis der standardisierten Bewertung, die auch die Linie 2 durchlaufen musste, lässt sich in einer einzigen Zahl zusammenfassen. Liegt sie über eins, stünden die Signale für die Straßenbahn auf Grün.

Ohne Zuschüsse geht nichts

Denn ab einem Faktor von eins fließen öffentliche Zuschüsse. Ohne sie gehe nichts beim Ausbau der Linie 1. „Die standardisierte Bewertung ist das Damoklesschwert für die Straßenbahn.“

Auch bei einem erfolgreichen Ergebnis wäre die längere Linie 1 noch längst nicht auf dem Gleis. Der Gemeinderat müsste dafür erst den Baubeschluss fassen. Auf ihn folgen ein Planfeststellungsverfahren, möglicherweise Einsprüche von Anwohnern, Ausschreibung ...

Dillmann sieht „gute Chancen“

Dem Ergebnis einer eingehenden Untersuchung kann Dillmann mit derzeitigem Wissensstand nicht vorgreifen. Für die Verlängerung der Linie 1 sieht er aber gute Chancen. Vor zwei Jahren war die Zahl der künftigen Bewohner der Kohlplatte auf 7000 geschätzt worden. Angesichts des Drucks auf dem Wohnungsmarkt könnten es noch mehr werden. Zudem entsteht auf dem ehemaligen Gelände von Gummi Welz an der Magirusstraße ein weiteres Wohngebiet. Die Ausgangslage sei gut, sagt der Chef der SWU Verkehr. „Eine Untersuchung macht Sinn.“

Zu den möglichen Kosten will sich Dillmann nur vage äußern. Er schätzt die Kosten pro Kilometer grob auf 10 bis 15 Millionen Euro (siehe Info-Kasten). Eine teure Brücke wie bei der Linie 2 wäre nicht nötig, „und auf der Kohlplatte würden wir auf dem Acker bauen“.

Kosten der Straßenbahn sind sehr unterschiedlich

18 Millionen Euro kostet ein Kilometer der Linie 2 – Rekord in Ulm. Dass sie so teuer ist, liegt im Wesentlich an zwei Faktoren. Erstens am Bau der Straßenbahnbrücke, die natürlich wesentlich mehr kostet als eine normale Gleistrasse. Zweitens wurden, wenn die Straßen offen sind, gleich noch die Kanäle erneuert. Diese Kosten, die mit der Straßenbahn nichts zu tun haben, sind in den Baukosten der Linie 2 enthalten.

4 bis 5 Millionen Euro sind pro Kilometer auf der Verlängerung der Linie 1 nach Böfingen angefallen. Dass dieser Abschnitt vergleichsweise günstig war, liegt laut SWU-Verkehr-Chef André Dillmann daran, dass die Gleistrasse für die Straßenbahn frei gehalten war und kaum Kanalarbeiten anfielen.

10 bis 15 Millionen Euro dürfte grob geschätzt der Kilometer Strecke zur Kohlplatte kosten.

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