Seit Mitte vergangener Woche liegt der Staatsanwaltschaft Ulm eine Anzeige der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) vor, die über eine Anwaltskanzlei erstattet wurde. Sie richtet sich gegen Mitarbeiter des Ulmer Waffenherstellers Walther wegen des Verdachts auf Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie gegen das Außenwirtschaftsgesetz.

Offenbar sind in Kolumbien mehrere hundert Pistolen der in Ulm gefertigten Marke P 99 aufgefunden worden. Wie und in welchem Zusammenhang ist unklar. Allerdings besteht wegen der allgemeinen politischen Lage ein Ausfuhrverbot für Waffen nach Kolumbien. Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) liegt weder ein Antrag noch eine Genehmigung für die Lieferung der Polizeipistole genannten P 99 vor.

Waffen Walther hat von sich aus auch keine beantragt, sagte gestern Geschäftsführer Manfred Wörz auf Anfrage. Er schließt definitiv aus, jemals die Pistole P 99 an das südamerikanische Land geliefert zu haben. Außerdem seien die Waffen nach seinem Kenntnisstand etwa zehn Jahre alt, es handele sich also um einen "Vorgang aus zurückliegenden Jahren".

Das Unternehmen hat sich gestern von sich aus mit der Staatsanwaltschaft Ulm in Verbindung gesetzt und "Kontakt aufgenommen", sagt Wörz. Ihm läge bislang nichts Schriftliches vor, weshalb er den Vorgang auch nicht kommentieren könne. Sobald Waffen Walther wisse, was der Anzeige zugrunde liege, kündigte er für das Unternehmen ein Statement an.

Sehr viel mehr, weiß aber offenbar auch die Staatsanwaltschaft nicht. Wie Behördensprecher Michael Bischofberger gestern mitteilte, sei noch nicht einmal darüber entschieden, ob der Anfangsverdacht ausreiche, ein förmliches Ermittlungsverfahren einzuleiten. "Das ist alles noch sehr vage", sagte der Sprecher, der ganze Vorgang befinde sich noch in einem "sehr frühen Stadium".

Offenbar aber sind die Waffen nicht im Originalzustand. Wie Bischofberger weiter sagte, würden die Pistolen eine zusätzliche Gravur aufweisen, über deren Bedeutung er noch nichts sagen könne. Die Behörde prüft außerdem, ob nicht sogar die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Stuttgart zuständig sei.