Der diesjährige Ulmer Rathaussturm hat für ein Bild mit Symbolcharakter gesorgt: Neu-Ulms Oberbürgermeister Noerenberg kostümiert als Atlantikflieger Hermann Köhl, neben ihm Ulms OB Gunter Czisch in der Uniform eines Fahrkartenschaffners. Hier der Pionier, dort der Kontrolleur. Exakt so sind auch ihre Rollen in der Debatte um den Orange Campus, das 20-Millionen-Nachwuchsprojekt der Basketballer, verteilt.

Verlief bislang die Konfliktlinie zwischen dem Verein BBU’01 und den beiden städtischen Verwaltungen, so ist die Situation unübersichtlicher geworden. Nun also machen die Politiker in Neu-Ulm Druck. Klar, sie haben ihren Zuschuss von 1,5 Millionen Euro schon beschlossen und setzen auf einen baldigen Baubeginn. Der künftige Campus liegt auf der bayerischen Seite der Donau. Der Stadt, die emsig an ihrem Ruf als junge Sport- und Event-Stadt arbeitet, täte ein Nachwuchszentrum für Basketballer sehr, sehr gut.

Das Murren nimmt zu

Genau das ist das Thema der Ulmer. Die da drüben haben doch schon die Ratiopharm Arena bekommen, murrt es aus den Reihen des Gemeinderates. Und dass Neu-Ulm mit Investitionen von 60 Millionen Euro in Halle und Campus profitiert, stößt ebenfalls sauer auf. Die Bemerkung Noerenbergs, dass die Ulmer bei diesem Tempo das Münster heute noch nicht fertig gebaut hätten, hat die Stimmung weiter verdüstert.

Hinter dieser Frotzelei verbirgt sich wachsender Unmut. Die Neu-Ulmer fühlen sich nicht umfassend informiert und ernst genommen, was im Fall Orange Campus falsch wäre. Denn in den nächsten Tagen stehen wichtige Entscheidungen an. Wollen beide Städte ins Risiko gehen und den Campus trotz einiger nicht erfüllter Bedingungen als „Leuchttumprojekt“ bauen? Splitten sie das Projekt in einen ideellen und einen kommerziellen Teil? Oder folgen sie der Argumentation der Geschäftsführer Andreas Oettel und Thomas Stoll, dass das Projekt nur als Einheit wirtschaftlich erfolgreich ist?

Ulm trägt das deutlich höhere Risiko, trotzdem sollten die Verantwortlichen ihre Positionen besser abstimmen. Wenn die Neu-Ulmer sagen, dass es ohne Risiko keinen Fortschritt gibt, heißt das nicht, alle Risiken zu ignorieren. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Nun müssen alle entscheiden – Pioniere wie Kontrolleure.