Ulm / BEATE STORZ  Uhr

Pilze sind sein Hobby. Man kann sie sammeln, essen, untersuchen oder zeichnen. Sie bilden auch Stoff für Krimis. Manfred Enderle kennt sich mit Pilzen aus. Er bietet Führungen und Vorträge über Pilze an. Bei der Ulmer Volkshochschule ist er seit 40 Jahren Dozent und gibt sein Wissen weiter. Selbst bei der Giftnotrufzentrale in München ist sein Fachwissen gefragt. Neben etlichen Fachbüchern über Pilze hat er auch einen Krimi geschrieben und Gedichtbände herausgegeben.

Enderle ist nicht der Einzige, der sich in der Region mit dem Thema Mykologie, also der wissenschaftliche Betrachtung der Pilze, befasst. Vor 40 Jahren hat er die Arbeitsgemeinschaft Mykologie Ulm mitgegründet und war acht Jahre deren Vorsitzender. Einmal im Monat treffen sich die Pilzfreunde und tauschen sich aus (siehe Infokasten). Der Verein hat 70 Mitglieder, auch aus Biberach, Kempten und Augsburg. Die Vorsitzende Birgit Weisel reist einmal monatlich aus Augsburg an. Sie bietet auch Kindern Pilzführungen an. „Sie sollen lernen, dass ein Pilz nicht nur essbar oder giftig ist, sondern auch eine wichtige Funktion für den Wald hat“, erklärt sie. „Man kann nur schützen, was man kennt.“

Der Verein hat seit seiner Gründung mehrere Publikationen über die Pilze in der Region herausgebracht. Seine Aufgabe ist die Kartierung der Pilzflora des Ulmer Raumes, Fortbildung der Mitglieder und  Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehören auch Vorträge und Führungen, die jedes Vereinsmitglied selbständig organisiert. Mit Pilzausstellungen in Ulm, Neu-Ulm und Ehingen macht der Verein auf sich aufmerksam.

Bereits zehn Jahre nach seiner Gründung konnte der Verein eine Kartei von 1700 Pilzarten in Ulm anlegen. Vier Bände über die Ulmer Pilzflora sind erschienen und können beim Verein gekauft werden. Einige Neuentdeckungen, die bundesweit erstmalig waren, können die Ulmer Mykologen vorweisen. „Wir haben dieses Jahr schon einen Erstfund bestätigt bekommen, den „Urnenbecher“ haben wir als erste in Deutschland entdeckt“, berichtete Birgit Weisel bei der Feier zum 40-jährigen Bestehen.

Manfred Enderle fing als Pilzsammler an und begann sich immer mehr für dieses Thema zu interessieren. „Das ist doch ein schönes Hobby. Man kann mit Frau und Kindern in den Wald und hat einen Ausgleich zum Beruf.“ Bei einem Pilzvortrag erfuhr er, dass dieses Thema noch nicht sehr erforscht sei, was seine Neugierde weckte. Er wollte diese Lücke schließen. Er war nicht alleine mit diesem Ehrgeiz und der Verein wurde gegründet. Zuerst als Arbeitsgruppe, dann als eingetragener Verein.

Enderle hat unterdessen mehrere Fachbücher und Fachartikel über Pilze geschrieben. „Ich komme immer mit neuen Entdeckungen aus dem Wald. Das ist ein spannendes Hobby.“ Zur Untersuchung dreht er den Pilz heraus. Er schneidet Stücke heraus und untersucht sie mit seinem Spezialmikroskop. „Die Pilze sind Underdogs. Sie sind unbeachtete und unscheinbare Lebewesen mit einem interessanten Innenleben“, schwärmt Enderle.

Mit einem Zeichengerät kann er die Struktur des Pilzes exakt wiedergeben. Pilze solle man nicht zerstören, denn sie sind für den Wald nützlich. Bei jungen Bäumen werden bei Anpflanzung Pilze mit eingesetzt, weil sie dafür sorgen, dass die Bäume schneller wachsen. Sind die Bäume selbst von Pilzen befallen, ist dies allerdings ein Zeichen dafür, dass sie krank sind. Die Pilze beschleunigen das Absterben des Baumes.

Jeden Monat Treffen im „Gut Holz“

Beratung Der Ulmer Pilzverein trifft sich an jedem ersten Montag im Monat um 19.30 Uhr in der Neu-Ulmer Gaststätte „Gut Holz“ an der Schwabenstraße 35. Es können auch Pilzsammler mit ihren Pilzen hinkommen und sich beraten lassen. Weitere Informationen unter www.amu-pilze.de.