Lange hatte die Maria-Sibylla-Merian-Grundschule mit einem Problem zu kämpfen: Besonders in den Sommermonaten lagen auf dem Schulhof morgens Scherben herum, die Jugendliche bei nächtlichen Gelagen zurückgelassen hatten. "Unser Hausmeister ist überhaupt nicht nachgekommen, all den gefährlichen Müll bis Schulanfang zu beseitigen", berichtet Schulleiterin Susan Sprandel. "Fast täglich mussten wir Kinder zum Arzt schicken, weil sie in der großen Pause in Scherben gefallen waren."

Eine Ursache des Problems ist, dass in der Nähe der Schule am Oberen Eselsberg ein Supermarkt bis Mitternacht offen hat und sich dort abends viele Jugendliche aufhalten. Aufgestellte Schilder wie "Unbefugten ist das Betreten des Schulgeländes verboten" wurden laut Sprandel nicht beachtet. "Und ein Abriegeln des Schulhofs durch einen Zaun kam auch nicht in Frage."

Inzwischen aber ist Ruhe eingekehrt: Abhilfe brachte das Pickel-Licht. "Es brennt, sobald es dunkel ist und vertreibt ungebetene Gäste", erklärt Gerhard Semler, Leiter der städtischen Abteilung Bildung und Sport. Wie das? "Dieses Licht macht jede Hautunreinheit sichtbar, und so sieht jeder äußerst unvorteilhaft aus: nicht wie Angelina Jolie, sondern eher wie der Glöckner von Notre Dame. Da knickt anscheinend auch der Hartgesottenste ein", beschreibt er die optische Wirkung.

Im Herbst wurden zwei Scheinwerfer mit dem grell-pinkfarbenen Licht im Hof sowie im Bereich zwischen Schulgebäude und Turnhalle installiert, die die ganze Nacht durch brennen. Der Erfolg: "Es hat viel gebracht", sagt Susann Sprandel hocherfreut. "Die Jugendlichen halten sich jetzt an den Abenden und Wochenenden seltener auf dem Schulhof auf - für uns bedeutet das, dass wir bedeutend weniger Scherben und anderen Unrat auf dem Hof haben." Es gebe auch keine Wand-Schmierereien mehr. Der Spruch "Im Dunkeln ist gut munkeln" treffe nun auf das Merian-Schulgelände nicht länger zu.

Gerhard Semler will abwarten, wie stark der Rückgang mit der kalten Jahreszeit zusammenhängt. "Wenn es Temperaturen um null Grad hat, sinkt auch bei Jugendlichen die Lust, sich draußen aufzuhalten. Wir schauen jetzt, wie sich die Sache in den Sommermonaten entwickelt." Wenn es wirklich hilft, könne man über eine Ausweitung nachdenken.

Auf die Lösung mit dem Pickel-Licht sei man in Gesprächen gekommen. "Irgendjemand hat gesagt, dass es so etwas im Bereich der Kriminalprävention gibt", erinnert sich Semler. Erwin Rotter, bei der Ulmer Polizei für Kriminalprävention zuständig, hat vom Pickel-Licht als solches zwar noch nicht gehört, aber das Ausleuchten dunkler Ecken sei grundsätzlich sinnvoll.

Semler und Sprandel sehen auf der anderen Seite die Situation der Jugendlichen. "Bei uns im Hof hat es eine ebene Fläche, da gibt es ja am Eselsberg nicht viele", weiß die Schulleiterin. Problematisch findet Gerhard Semler nicht den bloßen Aufenthalt, wohl aber, dass die Jugendlichen ihre leeren Flaschen nicht wieder mitnehmen, sondern diese zerschlagen.