Joja Wendt (54) lockt deutschlandweit mehr Besucher an als jeder andere Pianist – und ist trotz dieser Spitzenposition ein ebenso lockerer wie natürlicher Künstler geblieben. Ein famoser Virtuose und Jazzer, der schon mit Chuck Berry und Pur spielte und nicht nur in Spitzengeschwindigkeit über die Tastatur fegt, sondern nebenbei sein Publikum mit lockeren Sprüchen und charmantem Entertainment zum Staunen und Lachen bringt. Am 19. Februar gastiert der Hamburger mit seinem neuen Programm „Stars on 88“ im Stuttgarter Theaterhaus.

Braucht es Superlative, um aufzufallen – oder warum beschreiben Sie Ihr Programm gern mit Sätzen wie „Ich will wagen, was noch kein Pianist vor mir versucht hat“?

Joja Wendt (lacht): Da ist bei mir natürlich immer ein Augenzwinkern dabei. Das ging los mit „Das Stück ist sehr schwer zu spielen“, dann hieß ein ganzes Programm „Sehr schwer zu spielen“ – für mich ist das ein Spiel mit den Attitüden großer Klavierkünstler, die offenbar so ihrer Kunst noch mehr Tiefe und Bedeutung verleihen wollen. Und das habe ich schon früh gebrochen, indem ich gesagt habe: Das Stück ist total schwer, ja unmöglich für mich – und so diese Attitüden ein bisschen aufs Korn genommen habe.

Trotzdem hat es Sie offenbar nie gereizt, ein klassischer Konzertpianist zu werden – was hat Sie davon abgehalten?

Ich weiß genau, dass ich das nicht könnte, denn die haben noch einmal einen ganz anderen Druck. Zudem habe ich auch zu spät angefangen, mich mit der klassischen Literatur so intensiv auseinanderzusetzen, wie es notwendig gewesen wäre, um ein klassischer Konzertpianist zu werden . . .

Und dann war da auch noch dieser schwere Autounfall, den Sie als 26-Jähriger hatten. Ihre linke Hand war arg lädiert – haben Sie damals gefürchtet, das könnte das Ende Ihres Klaviertraums sein?

Bisher habe ich da nie in der Öffentlichkeit drüber gesprochen – Sie sind jetzt tatsächlich der erste. Ja, das war ein Wendepunkt: Klar hätte mein Weg da möglicherweise schon zu Ende sein können. Doch ich bin gesegnet mit einem schon fast pathologischen Optimismus, und so habe ich gedacht: Es gibt einen Jazz-Pianisten namens Horace Parlan, der hatte Kinderlähmung und hat trotzdem geil gespielt.