Neu-Ulm Photovoltaik-Anlage auf alter Mülldeponie wird montiert

Mit solchen Photovoltaik-Modulen wird zurzeit die geschlossene Mülldeponie zwischen Pfuhl und Burlafingen bebaut. Foto: Lars Schwerdtfeger
Mit solchen Photovoltaik-Modulen wird zurzeit die geschlossene Mülldeponie zwischen Pfuhl und Burlafingen bebaut. Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 26.06.2012
Seit ein paar Tagen wird eine große Photovoltaik-Anlage auf der Kreismülldeponie zwischen Burlafingen und Pfuhl montiert. Sie kann später einmal umgerechnet 200 Haushalte mit Strom versorgen.

Vom höchsten Punkt auf der ehemaligen Kreismüllhalde, immerhin in einer "luftigen" Höhe von 25 Metern, kann man den Blick gen Nordosten schweifen lassen und sieht in etwa 30 Kilometern Entfernung die dampfenden Kühltürme des Kernkraftwerks Gundremmingen. Die beiden Reaktoren dort erzeugen jährlich rund 21 Milliarden Kilowattstunden Strom. Sie decken damit rund 30 Prozent des Strombedarfs in ganz Bayern ab. Dagegen ist die Photovoltaik-Anlage auf der Deponie mit einer Jahresleistung von 700 000 Kilowattstunden geradezu winzig. Sie kann umgerechnet 200 Haushalte versorgen. Das sagen Thomas Moritz und Martin Bayr von den Abfallwirtschaftsbetrieben des Landkreise Neu-Ulm.

Am 30. Juni, also am Samstag, soll die Photovoltaik-Anlage "einspeisebereit" sein. Ihre Betreiber sollen dann von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm, in deren Netz der Strom fließt, 22,32 Cent pro Kilowattstunde erhalten. Das ist in etwa auch der Preis, den die Stadtwerke ihren privaten Endverbrauchern in Rechnung stellen. Die Eile, so Moritz und Bayr, sei deshalb gegeben, weil nach dem 30. Juni die Vergütung um 15 Prozent gesenkt werde. Die Anlage selbst wird erst im Juli/August, wenn der Trafo gebaut ist, ans Netz gehen. Sie bedeckt mit 11 500 Quadratmetern gut zwei Drittel der Mülldeponie. Und sie ist damit die zweitgrößte Photovoltaik-Anlage im Landkreis - nach der mehr als doppelt so großen Anlage des Ziegelwerks in Bellenberg.

40 Mitarbeiter der Firma B + S, Sicherheits- und Elektrotechnik, aus Altenstadt sind gerade dabei, 2816 große Module aufzuständern. Die Schraubanker der Ständerkonstruktion werden dabei gut 80 Zentimeter tief in die Deponie gebohrt. In einer Tiefe von einem Meter, so erklären Moritz und Bayr, liegt ein Trennflies, das möglichst nicht beschädigt werden soll. "Tut es auch nicht", sagen die beiden, "weil die Verankerung 20 Zentimeter davor aufhört." Was noch tiefer liegt, ist die Entwässerungsschicht (Kies, Bruchmaterial). Erst dann folgt die wasserdichte Lehmschicht, mit der der Müllberg abgedeckt ist. Dass die Photovoltaik-Anlage die Deponie gefährde, schließen die Experten aus. Auch von weitem ist die Photovoltaik-Anlage kaum zu sehen. Schon gar nicht kann die Rede von einem Spiegelberg sein, der zwischen Pfuhl und Burlafingen entstehen könnte. Das aber hatten Kommunalpolitiker wie Ulrich Seitz (SPD) in Neu-Ulm vermutet und dem Bauantrag nicht zugestimmt.

Die Photovoltaik ist nicht die einzige Anlage, mit der auf der Deponie Strom erzeugt wird. Das Gas, das beim Vergären des Müll entsteht, wird ebenfalls in Strom umgewandelt. Das sind nochmals umgerechnet 900 000 Kilowattstunden. Zusammen kann die Deponie also nahezu 500 Haushalte versorgen. Vorgesehen war einst, das nahe gelegene Schulzentrum zu versorgen. Die Rohre wurden verlegt, die Heizung aber nie gebaut. Weshalb die ungenutzten Rohren immer wieder als die teuersten Mäuse-Rennbahn der Welt die Rede bezeichnet wird.

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