Meinung Kommentar: Perverse Ausmaße der Massentierhaltung

Lokalredakteur Christoph Mayer
Lokalredakteur Christoph Mayer © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christoph Mayer 14.08.2018
Tierschützer haben auf einen gesellschaftlichen Missstand aufmerksam gemacht: In Deutschland wird zu viel Fleisch konsumiert.

Im Digitalzeitalter laufen Protestaktionen nach neuen Strickmustern ab, wie die Kundgebung von „Save Movement“ vor dem Schlachthof lehrt. Locker organisierte Interessengruppen mit flacher Hierarchie rekrutieren ihre Mitstreiter über soziale Medien. Dann geht es fix und doch engagiert zur Sache. Flach ist auch die Hemmschwelle mitzumachen. Es gibt keine Mitglied­schaft, geschweige denn Verpflichtungen.

Meinungsbildung vollzieht sich über die sozialen Medien

Im Unterschied zu Sponti-Aktionen der Joschka-Fischer-Generation mögen Kampagnen wie jene am Montagabend weichgespült wirken. Alles legal und bitte recht freundlich, beziehungsweise: nicht Fisch, nicht Fleisch. Den Initiatoren geht es eben weniger darum, Anstoß zu erregen. Mehr Gewicht legen sie auf die ihrer Aktion folgende – dezentrale – Verbreitung des Geschehenen in den sozialen Medien. Denn Meinungsbildung vollzieht sich heute nicht mehr auf der Straße oder gar im Bierzelt, sondern zunehmend im Netz. Was grundsätzlich nichts Schlechtes heißen muss.

Zwar sind die Tierschützer in Ulm mit ihrem eigentlichen Anliegen gescheitert. Digitale Spuren wird ihre Aktion wohl weniger hinterlassen. Dennoch haben sie mit Fleisch und Blut auf einen gesellschaftlichen Missstand aufmerksam gemacht: In Deutschland wird zu viel Fleisch konsumiert. Die Massentierhaltung hat perverse Ausmaße angenommen.

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